Cross Versorgung

Cross Versorgung

Cross Versorgung - Die Brücke zwischen beiden Ohren
Cross Versorgung – Die Brücke zwischen beiden Ohren

Der Entschluss zur Veränderung 2014  

 Frank, hilfst Du mir mal eben beim ….“?
„Ja, wo bist du denn?“
„HIER“
„Wo ist HIER“?
„In der Küche“.
„Gut, ich komme“.

 Dieser Dialog verdeutlicht meine Situation. Hier ein kurzer Rückblick.

 Rückblick

Im Jahr 2002 erhalte ich meine ersten Hörgeräte auf beiden Ohren, links eine Version mit besonders kräftigen Verstärker. Sechs Jahre später entscheide ich mich für ein neues Gerät auf dem rechten Ohr, links kann mir ein Hörgerät nicht mehr helfen. Weitere vier Jahre später überzeugt mich eine Cross Lösung. Am rechten Ohr bekomme ich ein neues Hörgerät und am linken Ohr ein Gerät das genau so aussieht, aber lediglich die Geräusche und die Sprache, die mich von links erreicht, aufnimmt und per Funk an das neue Hörgerät rechts schickt. Viele Termine beim Hörgeräte Akustiker sind erforderlich, um die Anpassung für mich angemessen hinzubekommen.

Mein Gehirn muss sich erst an diese seltsame Situation gewöhnen – Signale die von links kommen, werden für das „Hörohr“ rechts verstärkt. Die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, kann ich seit einigen Jahren schon nicht mehr erkennen. Das ändert sich auch nicht durch diese Cross Geräte. Der Dialog oben erklärt das deutlich. Immerhin, mein Gehirn stellt sich auf diese Situation ein. Wenn die Batterie am linken Gerät, dem tauben Ohr ausfällt, merke ich das inzwischen sehr deutlich. Es fühlt sich fast so an, wie wenn ein Ohr ausfällt. „Was kann ein normal Hörender mit dieser Information anfangen“? frage ich mich gerade.

Cross Versorgung

Eine Cross Versorgung ist eine tolle Sache, so lange eines der Ohren noch einigermaßen gut funktioniert. Leider hat sich aber das Hörvermögen meines rechten Ohrs so verschlechtert, dass ich verschiedene Frequenzen nicht mehr wahrnehmen kann. Das wirkt sich besonderes auf das Sprachverstehen aus. Wenn ich die Konsonanten nicht mehr auseinanderhalten kann, ist es vorbei mit dem Verstehen. Da hilft auch meine Cross Ausstattung nichts mehr. Was nutzt es, wenn das Gerät auf meinem linken Ohr alles Aufgenommene exakt an mein Gerät rechts funkt, das Hörgerät rechts auch alles exakt aufnimmt, aber mein Ohr selbst nicht mehr alle Frequenzen wahrnehmen kann, die mir das Hörgerät mitteilen will?

Da hilft kein Einstellen am Hörgerät mehr, auch der Versuch einer erneuten Frequenzverschiebung sorgt nur für Verwirrung. Ich danke hier sehr meinem Hörgeräte Akustiker, Herrn Schwarz und seinen Mitarbeitern für ihre vielen Mühen mit immer wieder neuen Anpassungen.

Entscheidung für Cochlea Implantat

Doch nun will ich eine grundsätzliche Veränderung, vor der ich mich lange gedrückt habe. Ich hatte bisher Angst vor einer Operation am Kopf. Doch bevor ich vertrottele, verblöde und immer mehr isoliert lebe, treffe ich in Absprache mit meinem Hals-Nasen-Ohren Arzt die Entscheidung. Ich will ein Cochlea Implantat auf meiner linken Seite.

Schwerhörigennetz – Erfahrung mit Cross Versorgung

Einmal schwerhörig – immer schwerhörig

Einmal schwerhörig – immer schwerhörig

Einmal schwerhörig, immer schwerhörig
Einmal schwerhörig, immer schwerhörig

Vor gut neun Monaten wurde ich am linken Ohr implantiert, vor acht Monaten wurde mein CI Sound Prozessor zum ersten Mal angepasst und seit ca. fünf Monaten höre ich ganz gut mit diesem Implantat.

Schwerhörig bleibt schwerhörig

Doch schwerhörig bleibt schwerhörig – zumindest für meine Umwelt. Viele freundliche Menschen, nicht alle, haben sich früher Mühe gegeben, deutlich zu sprechen. Das ist jetzt nicht mehr so, zumindest nicht durchgängig.

Normalerweise fragen die meisten Menschen noch mal nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Ich achte inzwischen sehr genau darauf und zähle manchmal mit, wie oft gut Hörende nachfragen, was schlecht Sprechende gesagt haben. Dann erhalten die Fragenden eine Antwort, wenn sie Glück haben auch etwas deutlicher gesprochen.

Schlechtsprecher, Nuschler und Sprechignoranten

Doch ganz anders bei mir. Wenn ich nachfrage, weil ich etwas nicht verstanden habe, bin immer ich „schuld“. Schließlich bin ich als schwerhörig bekannt und der Sound Prozessor für mein Cochlea Implantat ist groß und deutlich auf meinem Ohr erkennbar. Da kann einer noch so nuscheln und unter sich sprechen, es liegt an mir, am bekanntermaßen Schwerhörigen, dass ich diesen Sprechignoranten nicht verstehe.

Meist belustigt mich das. Ja, ich kann tatsächlich darüber lachen. Beim Lachen geht es mir selbst einfach besser. Manchmal deprimiert es mich aber auch – nicht sehr lange aber eben doch.

Ich weiß, es geht fast allen Menschen mit Hörproblemen so. Diese Situation wurde auch schon oft genug beschrieben, aber eben noch nicht von mir. Und mir tut es gut, wenn ich das auch mal niederschreibe.

Einmal Dieb, immer Dieb

Es gibt das Sprichwort, einmal Dieb, immer Dieb oder einmal Lügner, immer Lügner. Das scheint mir genauso falsch zu sein wie, einmal schwerhörig, immer schwerhörig.

Nach vorne schauen

Doch grundsätzlich schaue ich lieber noch vorne. Was zurück liegt ist nicht veränderbar.

Nüchtern betrachtet, höre ich viele Geräusche wieder, die ich so nicht mehr kannte. Das ist wunderbar – manchmal auch (wieder)gewöhnungsbedürftig. Sprache verstehe ich nach meinem Ermessen sehr gut. Allerdings bleiben da immer Einschränkungen – das technische Gerät kann nicht so viel, wie ein natürliches Gehör. Zuvor war ich links taub. Daran gemessen beträgt die Verbesserung durch das Cochlea Implantat für mich hundert Prozent.

Konzertbesuch 

Konzert
Konzert

Bei einem Konzertbesuch kürzlich, glaubte ich, einzelne Stimmen des Chors herauszuhören und auch einzelne Instrumente. Wenn ich das dann meinen Mitmenschen erzähle, ernte ich aber nur ungläubige Gesichtsausdrücke und vielleicht auch ein gedachtes „jetzt spinnt er aber wirklich“.

 

Sing`n pray

 

Dresden 2004

Dresden 2004


Dresden – Dieses Foto von Dresden wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

Nach langer Zeit

In Dresden war ich viele Jahre nicht mehr gewesen. Zuletzt war ich hier Anfang der Neunziger Jahre. Damals lag die Frauenkirche noch in Schutt. Vom gegenüberliegenden Hotel aus konnte ich den Steinhaufen betrachten und fand ihn sehenswert.

Jetzt, im Dezember 2004 bin ich also wieder hier. Die Stadt hat sich sehr verändert in den letzten zehn Jahren.

Training und Hörfähigkeit

Wegen meiner schlechten Hörfähigkeit mache ich nur noch wenig Trainings und Seminare. Nun bin ich für ein europäisches Automobilfabrikat unterwegs. Im Automobilbereich herrscht das Thema Schnellservice im Kundendienst vor und erfreut sich großer Diskussionen in Fachzeitschriften. Meine Aufgabe lautet, das Personal für den neu eingerichteten Schnellservice nach den Richtlinien des Fabrikates zu schulen und am Arbeitsplatz zu trainieren. Training am Arbeitsplatz ist eine tolle Sache. Hier beobachtet der Trainer den Echtbetrieb und gibt den entsprechenden Mitarbeitern anschließend ein Feedback. Früher habe ich ein solches Training mit Kamera und Mikrophon durchgeführt. Hier in Dresden mache ich mir nur Notizen – mehr ist nicht vorgesehen.
Beim Schnellservice geht der Kunde ohne Voranmeldung direkt in diesen Werkstattbereich, erklärt dem Mitarbeiter sein Anliegen, der schreibt dann einen Schnellauftrag und führt danach auch gleich die entsprechende Arbeit aus. Solch ein Training findet hier logischerweise in einem separat abgeteilten Werkstattbereich statt. Wer sich schon einmal in Autowerkstätten aufgehalten hat, der weiß, hier herrscht Hall. Sprache schallt von Betonwänden und der hohen Decke zurück. Kaum ideal für Schwerhörige. Für mich ist es der Hörgau. Außerdem gibt es viele weitere Nebengeräusche. Die Hebebühne fährt hoch und wieder runter, die Reifenmontage macht viel Lärm. Der Kompressor schaltet sich an und wieder ab, das Anschlagen von Gewichten beim Auswuchten von Reifen und sonstige Kleinmaschinen behindern meine Fähigkeit, Sprache zu verstehen.

Meine Aufgabe besteht aber darin, sehr genau zuzuhören, was der Mitarbeiter sagt, was der Kunde fragt oder anmerkt, wie der Mitarbeiter darauf reagiert und wie gut er auch die vorzunehmende Arbeitsleistung verkauft. Nur aufgrund meiner langjährigen Erfahrung komme ich durch diese beiden Tage. Ich lasse die Mitarbeiter in der Nachbesprechung wiederholen, was der Kunde gesagt hat und wie er, der Mitarbeiter, damit umgegangen ist. Anschließend gebe ich meine Meinung dazu ab. Die eigentlichen Dialoge zuvor konnte ich nicht verstehen. Das entspricht  nicht meiner Vorstellung von dem, was ich hier tun will.

Weihnachtsmarkt und Frauenkirche in Dresden


Frauenkirche – Dieses Foto von Dresden wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

Am Abend des ersten Tages schlendere ich durch das vorweihnachtliche Dresden. Es scheint, als sei überall in der Stadt Weihnachtsmarkt. Dresden ist nicht wiederzuerkennen. Nach etwas Suchen finde ich auch die Frauenkirche. Sie ist so gut wie wieder fertig gestellt, nur der Innenausbau ist noch nicht abgeschlossen. Es ist ein prächtiger Bau. Unweit der Kirche finden Ausgrabungen statt.

Mir schlägt meine Situation auf den Magen, ich gehe zurück ins Hotel. Wie überlebe ich den nächsten Tag in der Werkstatt mit meinem Gehör.

Wie lange noch Trainer

Doch am zweiten Tag kommt mir die Vorweihnachtszeit zur Hilfe. Es kommen im Laufe des Tages nur zwei Kunden in diesen Bereich. Damit kann ich umgehen. Ich nutze die Zeit, um viel eigene Erfahrung weiterzugeben und kann mich am Spätnachmittag endlich auf den Heimweg machen. Mit dem Auto dauert es einige Stunden zurück bis ins Saarland. Während der Fahrt grüble ich lange darüber nach, diese Art von Training aufzugeben. Bisher waren meine Auftraggeber zufrieden – aber ich bin es nicht mehr. Ich trage zwei Hörgeräte, sehr moderne Hörgeräte, mit vielen Einstellmöglichkeiten und einer Fernbedienung. In geschlossenen Räumen komme ich noch einigermaßen zurecht. Aber in einer Werkstatthalle verstehe ich kaum noch etwas.

Lies auch:

Hören in Catagena 2004
Bogota Dezember 2001
Motorsportarena Oschersleben

 

Neues Modell CI Naida Q90

Neues Modell

Technische Entwicklung

In allen Bereichen schreitet die Technik weiter voran. Das ist meist auch gut so. Ob Auto, Waschmaschinen, Kühlschränke oder Smartphone – immer wieder überraschen uns die Hersteller mit neuen Modellen und neuen Features. In der Regel handelt es sich um Weiterentwicklungen.

CI Herstellerkontakt

So erfuhr ich jetzt auch bei einem Treffen der mit AB CI implantierten Menschen, in der Uniklinik Homburg, von den Neuerungen bei AB (Advanced Bionics).

AB Naida CI Q 90
AB Naida CI Q 90

Es ist fast so wie beim Smartphone, kaum installiert, schon wieder veraltet? Doch bei näherem Hinhören und Hinsehen stellt sich schnell raus, dass doch sehr behutsam mit der Weiterentwicklung vorgegangen wird. Das neue Naida Q 90 ist eine Weiterentwicklung vom Q 70, das ich vor einem halben Jahr erhalten habe.

Wesentliche Entwicklungen betreffen die Software – und das ist die gute Nachricht – diese Software kann auch auf meinen Sound Prozessor (Q 70) aufgespielt werden.

So erhielt ich doch ein paar für mich wichtige Informationen.

ComPilot

Meinen ComPilot kann ich vielseitiger verwenden, als ich es bisher getan habe. Bisher benutzte ich dieses Hilfsmittel lediglich feim Fernsehen. Es überträgt mit der Schleife um den Hals den Ton sowohl auf mein Phonak Hörgerät als auch auf mein Cochlea Implantat bzw. den Prozessor. Diesen ComPilot benutze ich seit einigen Jahren – habe ihn ursprünglich für meine (damals) beiden Hörgeräte verwendet.

Soforthilfe

Vor Ort hat mir Herr Kirsch von AB doch gleich mal die Bluetooth Verbindung mit meinem Smartpone hergestellt. Das fand ich ganz prima.

Abends beim Fernsehen hat dann allerdings mein Handy immer mal wieder dazwischengefunkt, ich hatte es wohl zu dicht in meiner Nähe liegen.

Ganz verwirrt war ich dann, als mich tatsächlich jemand auf meinem Mobiltelefon anrief, ich aber nicht daran dachte, dass ich den ComPilot um den Hals habe und das Gespräch normal annahm. Sehr gewundert habe ich mich, den Gesprächspartner auch über mein CI zu hören. Da ich aber wie gewohnt das Handy ans Hörgeräte-Ohr gehalten hatte, hörte ich zusätzlich einen Hall.

Das hat mich dann so verwirrt, dass ich mich von dem Anrufer doch sehr schnell wieder verabschiedet habe. Sorry – alter Mann und Technik.

Ultrozoom

Mit der neuen Software besteht auch die Möglichkeit, den Ultrazoom so einzustellen, dass er sich je nach Hörsituation automatisch zu- und abschaltet. Das lass ich mir möglichst schnell auf meinen Sound Prozessor aufspielen. (Leider doch noch nicht für Q 70)

MRT möglich (?)

Auch neu für mich war die Information, dass es mit meinem Implantat doch möglich sein soll, unbeschadet ein MRT zu überstehen. Dazu muss allerdings eine spezielle Abdeckung angebracht werden. Ich hoffe, dass es keinen Anlass gibt, das zu benötigen.

Akkus

Neue Akkus wurden auch entwickelt. Diese sind etwas kleiner als die bisherigen – wichtig für mich, sie passen auch auf mein Q 70. Doch zunächst benötige ich noch keine neuen Akkus.

Es gab noch mehr Informationen und eine Vorstellung des neuen Q 90.

Zwei Teile

Träger von Cochlea Implantaten wissen das. Es gibt immer zwei Teile, die ein Ganzes ausmachen – das Implantat selbst und den Soundprozessor mit der Energieversorgung. Nur mit beiden Hilfsmitteln gelingt hören.

Da kommt dann die Frage auf, wie ist das mit der technischen Weiterentwicklung?
Muss ich jedes Mal eine weitere OP über mich ergehen lassen, wenn sich die Technik weiterentwickelt?  So ist es zum Glück nicht.
Die Hersteller haben die Implantate bereits so entwickelt, dass auch nachfolgende Prozessor Generationen, die ja außen sitzen, mit dem bereits operierten Implantat verwendet werden können.
Ausschließen kann heute sicher niemand, dass es irgendwann technische Entwicklungen geben wird, die auch ein neues Implantat erfordern, aber das dauert wohl noch eine Weile.

Menschliche Entwicklung

Wenn ich heute so in die Welt hinein höre, wünsche ich mir eine entsprechende Entwicklung von uns Menschen. Doch das erscheint mir sehr viel schwieriger zu sein.

Ich habe einen weiteren Blog veröffentlicht, der sich damit befasst. Villamondial – Die Welt unter einem Dach.
Villamondial Die Welt unter einem Dach

Villamondial
Die Welt unter einem Dach

 

 

 

 

Tatort Totenstille

 

Tatort Totenstille

Tatort Totenstille Quelle ARD
Tatort Totenstille
Quelle ARD

Tatort aus Saarbrücken

Am 24. Januar 2016 sendete die ARD den Tatort aus Saarbrücken. „Totenstille“ Hierbei spielte Gehörlosigkeit eine so wichtige Rolle, dass sich der Kommissar selbst mit der Gehörlosen Sprache beschäftigt hat.

 

Ich bin sonst kein Krimi Zuschauer. Aber in diesem Fall habe ich mir diesen Tatort doch angesehen. Wie wird im Film Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit dargestellt? Das wollte ich mir ansehen.

Beurteilungen des Krimis selbst will ich hier nicht abgeben. Davon verstehe ich viel zu wenig und habe kaum Vergleiche. Am Folgetag konnte ich allerdings lesen, dass die Einschaltquote recht hoch war.

Fachleute gehen davon aus, dass ca. 20 % der Bevölkerung Hörprobleme hat. Das spricht für eine gute Einschaltquote.

Während des Films und danach haben mich dann doch Fragen beschäftigt.

  • Gibt es wirklich eine Gehörlosen Szene in Saarbrücken?
  • Gibt es da wirklich Betroffene, die zwar implantiert sind und ein CI besitzen, es aber nicht tragen wollen – aus Gründen einer Überzeugung, sowieso nicht zu den Hörenden zu gehören?
  • Ist das bereits eine Ideologie?

Darüber mag ich nicht urteilen. Zu wenig weiß ich davon. Aber vielleicht kann mir einer von euch Lesern mehr dazu sagen oder schreiben.

Außerdem fiel mir auf, wie unvorteilhaft das Cochlea Implantat im Film beschrieben wurde. „Man hört zwar Geräusche aber versteht kaum Sprache“.

Da habe ich dann doch mit meinem CI „aufgehorcht“.

Mehr über diesen Tatort: hier

 

Nachtrag vom 29.01.2016

Über diesen Link könnt Ihr den Kommentar des Gehörlosen Bunds zum Kirmi nachlesen. (Danke dafür an Daniel Büter – @danielbueter)

http://www.gehoerlosen-bund.de/images/stories/pdfs_2016/tatort_totenstille.pdf 

 

Hören in Cartagena de Indias 2004

Hören in Cartagena de Indias 2004

Hören in Cartagena Blick auf die Stadt
Hören in Cartagena
Blick auf die Stadt

Einladung nach Cartagena

Im Frühling des Jahres 2004 fliegen wir, meine Frau und ich, erneut nach Kolumbien. Wir wurden vom kolumbianischen Außenhandels Ministerium zu einer mehrtägigen Veranstaltung eingeladen.  Ziel dieser Veranstaltung ist es, deutsche Import- Exportfirmen mit kolumbianischen Exporteuren an einen Tisch zu bringen. Hier können sich kolumbianische Firmen präsentieren, die Importpartner in Deutschland suchen.

Wir fliegen von Paris aus nach Bogota, treffen uns dort mit meinem Geschäftspartner und fliegen dann weiter nach Cartagena de Indias – einer von den Spaniern angelegten Festung in der Karibik. Heute ist Cartagena eine Millionenstadt in Kolumbien mit einer historischen Altstadt.

Das Hotel in dem wir übernachten liegt auf einer Landzunge direkt am Meer. Das Klima ist im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend. Sehr hohe Luftfeuchtigkeit und große Hitze – Waschküche.

Seit 18 Monaten beidseitig Hörgeräte

Seit ca. 18 Monaten trage ich zwei Hörgeräte – das am linken Ohr mit besonderer Stärke. Ich bilde mir ein, den Herausforderungen der Tagung, mit vielen Gesprächen, gewachsen zu sein.

Herausforderung für mein Hören

Hören in Cartagena Blick auf die Festung
Hören in Cartagena
Blick auf die Festung

Der Ablauf ist von den Veranstaltern so geregelt, dass jeder deutschen Firma für die drei Tage der Tagung, bestimmte kolumbianische Firmen zugeordnet werden, die genau nach Plan an unseren Tisch kommen, um ihre Produkte vorzustellen.

Die von meinem Geschäftspartner zugesicherte Dolmetscherin für Spanisch ist bis jetzt nicht erschienen.

Das sind die Situationen, die ich liebe. „Nun musst du selbst da durch“ kann dann nur noch die Devise lauten. Zum Glück ist meine Frau dabei, sie hört besser und kann auch besser englisch. Wir beschließen in Englisch zu verhandeln. Die Kolumbianer gehen sowieso davon aus englisch zu reden – sie sprechen allerdings sehr viel besser englisch als ich. Na prima.

Deutsche Pünktlichkeit 

Unsere ersten Gäste stehen schon an unserm Tisch, als wir dort ankommen. Man hatte ihnen eingeschärft, „die Deutschen sind immer pünktlich und legen Wert auf Pünktlichkeit.“

Wir kommen irgendwie zurecht. Ich stelle fest, dass es für mich noch schwerer ist, eine andere Sprache zu verstehen, als die Muttersprache. Außerdem merke ich, dass mir das Hörgerät auf der linken Seite fast nichts bringt. Mein Gehör dort ist einfach zu schlecht. Dank meiner Frau begreife ich, was die freundlichen Menschen anbieten und besprechen wollen.

Hören in Cartagena 

Meine Hörtechnik versagt in dieser Situation – nicht technisch, sondern in meiner Wahrnehmung.

Antworten versuche ich den Geschäftsleuten selbst zu geben. Wir hangeln uns durch und sind am Spätnachmittag völlig fertig, fühlen uns aber, wie nach einer geschlagenen Schlacht – nicht als Sieger aber auch nicht als Verlierer.

Am nächsten Tag ist die Dolmetscherin da – eine deutsche Spanisch-Studentin, die in unserer Niederlassung in Bogota ein Praktikum absolviert hat. Jetzt geht es lockerer. Ich kann deutsch sprechen und sie übersetzt ins Spanische.

Schöne Altstadt

Hören in Cartagena Befestigungsanlagen
Hören in Cartagena
Befestigungsanlagen

Na ja, wir bringen die Tagung hinter uns, lauschen den Schlussworten des kolumbianischen Präsidenten, Álvaro Uribe Vélez, und besichtigen die Sehenswürdigkeiten der alten Stadt Cartagena. Ich sehe zum ersten Mal Kolibris in freier Natur, direkt vor dem Hotel an blühenden Sträuchern. Als Höhepunkt bietet uns das Außenhandelsministerium noch ein rauschendes Fest in historischer Kulisse – mitten in der Altstadt.

Hören in Cartagena Altstadt
Hören in Cartagena
Altstadt

Endlich kommt es nicht mehr wirklich darauf an, was ich höre und verstehe. Da kann ich entspannen. Abschließend stelle ich fest, mit meinen Hörgeräten komme ich nicht zurecht, wenn es darauf ankommt. Sie sind aber noch jung – so schnell gibt es keine anderen.

Cartagena als Stadt erhalte ich in guter Erinnerung – die Stadt ist sehenswert.

Siehe auch:
Bogota Dezember 2001

 

Gothic Sound

Gothic Sound

Gotische Bauwerke

Wer schon einmal eine gotische Kathedrale besucht hat wird sofort verstehen, was ich meine. Und wer schon einmal in einem solchen Dom einen Reiseführer oder einen Priester sprechen hörte, versteht erst recht, worauf ich hinaus will. Es hallt ungemein und Sprache ist sehr schlecht zu verstehen.

Es gab mal eine Zeit, in der ich mich mit gotischen Bauten – meist Sakralbauten – beschäftigt hatte. Durch die enorme Höhe der gotischen Kirchen und die relativ großen Fensterflächen, sind in diesen Gebäuden Hall und Echo stärker als in Kirchenbauten anderer Epochen. Das war zu dieser Zeit durchaus ein gewollter Effekt.

CI Anpassung und Hektik

Mitte Dezember 2015, heute erhalte ich für mein Naida CI eine neue Anpassung. Jetzt, heute will ich einen besonders großen Schritt (Fortschritt) tun, um meine Hör- und Verstehfähigkeit weiter zu entwickeln. „Übermut tut selten gut“ lautet ein deutsches Sprichwort.

Ein Tag der mit Hektik beginnt, lässt sich nicht plötzlich zur Anpassungs Situation umschalten. Eine Situation, die ein gewisses Maß an Entspannung und Gelassenheit erfordert. Zu Hause fahre ich schon zu spät los und unterwegs gibt es dann alle Hindernisse, die ich sonst gelassen hinnehme. Gerade noch rechtzeitig komme ich zum vorgeschalteten Hörtest in der HNO Klinik. Dieser Hörtest fällt nach meinem persönlichen Urteil schlecht aus. Frequenzbereiche, in denen ich mit meiner CI Seite in der Vergangenheit gute Werte erzielt hatte, sind heute plötzlich schlechter. Während des Hörtests heute protestiert auch mein Tinnitus besonders heftig. „Hab ich jetzt auch schon links, auf meiner Cochlea Implantat Seite einen Tinnitus?“

Etwas frustriert eile ich ins andere Gebäude zur Anpassung. Dort lasse ich „dir Schleusen weiter öffnen“ – also lauter stellen. Die tiefen Frequenzen nachstellen. Ermahnungen lasse ich nicht gelten.

Ich schätze die große Erfahrung und Qualifikation der Personen sehr, die die Anpassungen bisher vorgenommen haben sehr. (siehe dazu http://horch.nuesken.us/anpassung )

Mehrfach antworte ich auf die Frage, „ist das wirklich gut so“ mit „ja“ oder „ist diese Einstellung besser“ mit „Hm?“ Letztlich wird nach meinem momentanen Empfinden eingestellt – wonach auch sonst, könnte jemand fragen. Leider ist aber meine momentane Situation mit den Spätfolgen der Hektik beschäftigt. „Ich mache alles, wie Sie es wünschen“ höre ich noch. „Ja, ja, ok“ ist meine Antwort dazu.

Weihnachts-Wander-Wochenende 

Weihnachts Wandern
Weihnachts Wandern

Drei Tage später – mit unserem Freundeskreis planen wir jährlich ein Wanderwochenende kurz vor Weihnachten. In diesem Jahr waren wir mit der Planung an der Reihe. (lies auch dazu: http://horch.nuesken.us/einsam-unter-freunden ) Mir war es wichtig, vor diesem Wochenende noch die Anpassung meines CI erhalten zu haben.

Doch genau in diesen Tagen stelle ich fest, „ich höre viel und verstehe wenig“. Ganz besonders in der Restaurant Situation, dann wenn viele Menschen sprechen. Da hilft auch der von mir bisher hoch gelobte Ultra Zoom nichts mehr – im Gegenteil er verschlechtert noch das Verstehen.

Es ist der Hall, der alles überlagert und ein Verstehen gewaltig verschlechtert.

Ulmer Münster

Ulmer Münster Bild: magellannet
Ulmer Münster
Bild: magellannet

Wenn ich nichts mehr verstehe, habe ich Zeit für anderes – so fällt mir spontan das Ulmer Münster ein, ein großartiger Gotik Bau, den ich während meiner Ulmer Zeit öfter von innen erlebt hatte. Das Ulmer Münster hat übrigens mit 161 Metern den höchsten Kirchturm der Welt. Jeden, der mich in Ulm besucht hatte, habe ich in diesen Dom geführt. Ich weiß also wie eine Stimme in diesem Gebäude klingt. Da entsteht in meinem Kopf der Begriff „Gothic Sound“. So klingen für mich jetzt plötzlich alle, die ich sprechen höre – im Restaurant und etwas abgeschwächt auch während unserer Wanderungen.

Kommentare

„Du hörst ja jetzt noch schlechter, als früher“ so oder so ähnlich lauten dann auch die freundlichen Kommentare meiner Freunde. Obwohl mir inzwischen die Ursache klar ist, ärgere ich mich über diese Kommentare. Denn nur ich weiß, dass ich mit dem linken Ohr früher gar nichts gehört habe und dass ich heute sehr viel höre und schon relativ viel an Sprache verstehe – nur eben jetzt gerade nicht.

Zum Glück ist eine Korrektur leicht möglich, jedoch erst nach Weihnachten.
Ein klein wenig haftet den romantischen Vorstellungen von Weihnachten ja auch ein Hauch von Gotik an.

Lest dazu passend auch:

Anpassung
Ultra Zoom (der Letzte Whisky)
Einsam unter Freunden

 

 

 

 

 

 

mein Weg in die Schwerhörigkeit und zurück