Aktion HNO Kliniken

Aktion HNO Kliniken 

Letzte Woche hatte ich eine Email an HNO Kliniken in Deutschland geschickt. Ich hatte darum gebeten, ihre Patienten auf meinen Blog aufmerksam zu machen.

Daraufhin habe ich viele Rückmeldungen erhalten. Vielen Dank dafür. Hier folgen einige davon:

Reaktionen

Reaktionen von HNO Kliniken - horch
Reaktionen von HNO Kliniken – horch

Sehr geehrter Herr Nüsken, 
vielen Dank für Ihre interessante Mail. Gern nehmen wir Ihre Seite als Link bei uns auf. Im Gegenzug freuen wir uns, wenn Sie auch unsere CI-Seite bei sich aufnehmen. Des Weiteren werden wir Ihre Seite auch unseren CI-Patienten sowie der CI-Gruppe empfehlen.
Mit freundlichem Gruß
U.B.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
vielen Dank auf die Hinweise zu Ihrem Blog.
Mit freundlichen Grüßen
F.P.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
vielen Dank für Ihre Mail!. Das ist eine sehr schöne und nützliche Initiative. Sie können sehr gerne einen Link zu unserer Website herstellen. Ich werde meinen zuständigen Kollegen beauftragen, dies ebenfalls zu tun.
Viele Grüße M. J.

Sehr geehrter Herr Nüsken, toller Blog, werde ihn gerne Patienten weiterempfehlen, die vor CI Infobedarf haben. mfg  G. L.

Sehr geehrter Herr Nuesken,
das ist eine interessante Initiative. Wir werden die Information an unsere Patienten weiterleiten. Sie können gerne einen Link zu unserer Internetseite einrichten.
Mit freundlichen Grüßen
C. O.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
vielen Dank für Ihre Nachfrage. Gerne haben wir Ihren liebevoll gemachten Blog mit den vielen guten und sinnvollen Tipps auf unserer Homepage aufgenommen und würden uns freuen, wenn Sie Ihrerseits eine Verlinkung auf unseren CI-Bereich vornehmen könnten. Viele Grüße und viel Erfolg mit dem „neuen Hören“ wünscht M.S.

Guten Tag Herr Nüsken
Besten Dank für die interessanten Informationen. Gerne können Sie mich über Neuerungen bei Ihrem Blog informieren.
Beste Grüße K. B.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
ich danke für Ihre Mail und stimme sehr gerne einer Verknüpfung zur Internetseite der Klinik zu.
Mit freundlichen Grüßen B. S.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
Gerne können wir auf Ihren Block aufmerksam machen, da es bestimmt für unsere Patienten ein Vorteil wäre, eine individuelle Meinung eines CI-Patienten zu lesen, wenn sie vor der Entscheidung einer OP stehen. 
Vielen Dank für Engagement und freundliche Grüße
N. W.

Lieber Herr Nüsken,
vielen Dank für Ihre Mail – ich halte einen solchen Blog für ein wertvolles Informationsmittel für andere Betroffene und gebe Ihre Information gern im Hause weiter und cc an unsere Marketingabteilung zur evtl. Verlinkung.
Mit freundlichen Grüßen. A.M.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
vielen Dank für Ihre informative Email, wir bringen Sie gerne bei unseren Patienten ins Gespräch,
Ihnen alles Gute,
J.W.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
danke für Ihre interessante Nachricht, die ich unserem Neurobiologen ebenfalls zukommen lasse. Es ist sicher für Betroffene interessant, von einem Leidensgenossen Erfahrungen berichtet zu bekommen, die für die jeweiligen Personen von hohem Wert sein können.
Mit freundlichen Grüßen
P.R.I.

Lieber Herr Nüsken,
das ist sicher sehr gut, eine Kommunikationsplattform zu diesem mir auch sehr wichtigen Thema einzurichten. Ganz herzliche Grüße
P. M.

Sehr geehrter Herr Nüsken, 
herzlichen Dank für Ihr Engagement.
Ihre gemeinsame Erlebniswelt, das aufeinander zu gehen nimmt wahrscheinlich viele Ängste vor einer „Kopfoperation“. Damit kann wahrscheinlich vielen Menschen ein Tor geöffnet werden, für das sie bislang keinen Schlüssel haben. 
Heutzutage gibt es nahezu immer eine technische Lösung, an der sozialen auditorischen Kommunikation teil zu haben.
Viel Erfolg bei Ihrem Blog, herzliche Grüsse, S. M.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
vielen Dank für Ihr Engagement und Ihr Angebot.
Gerne komme ich aber darauf zurück, mich selbst zu informieren und Ihr Angebot weiterzuempfehlen.
Mit freundlichen Grüßen, H.J.V

Sehr geehrter Herr Nüsken,
ich finde die Idee eines Blogs sehr unterstützenswert und bin sicher, dass Sie viele interessierte Leser finden werden.
Mit freundlichen Grüßen, E.DM

Sehr geehrter Herr Nüsken,
besten Dank für die Information. Und schön zu lesen, dass es Ihnen gut geht. Ich habe Ihre Mail an unser CI-Team als Ansprechpartner weitergeleitet.
Mit freundlichen Grüßen und alles Gute,  S. L.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
In unserem Haus bin ich für die CI-Patienten zuständig. Ich habe ein bisschen in Ihrem Blog gestöbert und finde ihn für zukünftige CI-Patienten sehr interessant.
Ich werde zukünftige Patienten auf Ihre Seite aufmerksam machen.
Mit freundlichen Grüßen, S.B.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
vielen Dank für Ihr Engagement und Ihr Angebot.
Gerne komme ich darauf zurück, mich selbst zu informieren und Ihr Angebot weiterzuempfehlen.
Mit freundlichen Grüßen, HJ.V.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
vielen Dank für Ihre eMail an unser Cochlea Implantat Zentrum. Wir freuen uns sehr über Ihren interessanten Blog und haben die Adresse bereits an einige unserer Patienten und bereits versorgten CI-Träger weitergegeben. Eine zusätzliche Informationsquelle ist für Betroffene – vor allem vor der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung – sehr hilfreich.
Wir bedanken uns auch für das Angebot der gegenseitigen Verlinkung, werden dieses unserer Marketing-Abteilung weiterleiten und uns diesbezüglich bei Ihnen melden.
Mit freundlichen Grüßen, O. N.

Sehr geehrter Herr Nuesken,
vielen Dank für Ihre Mails. Gerne nehmen wir Ihren Link auf, sobald unsere neue Website fertig ist. Freuen würden wir uns dann auch über einen Link von  Ihrer Website zu unserer.
Mit freundlichen Grüßen, U. J.

Lieber Herr Nüsken,
Ihr Blog ist sehr gut und trifft die Dinge, die schwerhörige Patienten und CI Träger beschäftigen. Machen sie weiter! Klasse!
Herzliche Grüße, Ihr J. M.

Sehr geehrter Herr Nüsken,
vielen Dank für Ihre  E-Mail. Bitte entschuldigen Sie die verspätete Rückmeldung. 
Ihre Homepage und Ihr Blog sind sehr interessante Erfahrungsberichte für alle Betroffene. Wir werden die Informationen gerne an unsere Patienten weitergeben.
Alles Gute für Sie. H
erzliche Grüße  i.A. M.R.

Vielen Dank für die vielen freundlichen Kommentare.
Frank Nüsken

Tag Zwei und mehr mit dem AB Naida CI

Siehe auch: Tag 1 mit dem Naida CI

Tag zwei und danach mit dem AB Naida CI

Tag Zwei

Heute beginne ich mit einem Hörtest. Da ich zunächst davon ausgehe mit meinem neuen „AB Naida“ noch nicht wirklich hören zu können, verstehe ich noch nicht was da getestet werden soll. Doch die Dame, die den Test durchführt, klärt mich dazu auf. Die Töne, die ich bereits höre, haben noch nicht mit dem Verstehen von Sprache zu tun. Töne kann ich bereits hören – und wenn ich das richtig verstanden habe, auch schon recht ordentlich. Ich kann nichts Besonderes bei mir feststellen, aber die Hörtesterin ist völlig aus dem Häuschen, sie kann es kaum fassen, wie gut das CI bereits funktioniert – oder besser gesagt, wie gut mein Hörnerv bereits zur Zusammenarbeit bereit ist. Wenn das so ist, muss mein Hirn jetzt auch noch mitspielen.

Frank Hörtest am 08.07.2015
Frank Hörtest am 08.07.2015

Die beiden höchsten Töne wurden bewusst noch nicht so stark eingestellt (siehe Testergebnis).

 

 

Anpassung

Anschließend wird mein neues Gerät wieder der Entwicklung meines Hörnervs angepasst. Banal gesagt könnte ich es „lauter stellen“ nennen, doch es ist bedeutend komplexer. Hier geht es  um eine Feinabstimmung in allen technisch möglichen Frequenzbereichen. Bei diesem Vorgang begreife ich, dass es tatsächlich einen Fortschritt innerhalb von einem Tag gegeben hat.

Hörtraining

Steinohr - Bildquelle Dieter Schütz / Pixelio
Steinohr – Bildquelle Dieter Schütz / Pixelio

Anschließend gehe ich zum Hörtraining. Mein noch hörendes rechtes Ohr wird mit dem Ziel verstopft, nur noch über die neue Hörtechnik zu hören. Wir beginnen mit Tieren – ich habe zunächst Probleme. Doch langsam verstehe ich einzelne Tiernamen die ich gleichzeitig auf meinem Blatt Papier mitlesen kann. Wie schon zum Tag Eins berichtet, höre ich eine weit entfernte blecherne Computerstimme sprechen.

Heiteres Beruferaten „Rübenheber“

Wir machen weiter mit Berufen. Vokale verstehe ich anfangs besser als Konsonanten – diese Situation kenne ich ja nun schon seit Jahren – mehrsilbige sind leichter als einsilbige Wörter zu verstehen. Da entstehen beim Hörvorgang im Gehirn ganz neue Berufe: „Rübenheber“ ist z.B. ein so neu geschaffener Beruf. Fliesenleger stand auf dem Papier.

Tag Drei

Das geht nun heute, am Dritten Tag so weiter, Gerät anpassen und Hörtraining. Von Mal zu mal stelle ich winzig kleine Fortschritte im Hör-Verstehen bei mir fest. Ebenso wächst in mir die Gewissheit „da benötige ich noch verdammt viel Geduld“.

Wieder zu Hause

Hier übe ich nun täglich gemeinsam mit meiner Frau und merke wie schwankend die Hörergebnisse bei mir sind.

Als erstes lasse ich bei meinem Hörgeräteakustiker Abdrücke meiner Ohren bzw. Gehörgänge anfertigen. Daraus sollen Ohrstücke hergestellt werden.

Links, um das Naida Gerät bei Bedarf zusätzlich zu befestigen – zur Begründung wurde mir im CIC von einem Patienten erzählt, der sein Gerät zwei Stunden in der Brombeerhecke gesucht hatte.

Rechts, als Verschluss für mein noch hörendes Ohr, eine sogenannte Vertäubung. Das benötige ich zum Üben. Die Ohrenstöpsel aus Schaumstoff reichen nicht aus, da muss ich schon sehr stark mit einem Finger zudrücken, um wirklich nichts mehr mit diesem Ohr zu hören. Das strengt zusätzlich an und tut auf Dauer auch noch weh.

Hier übe ich nun täglich zwei Mal je ca. 15 Minuten. Dann merke ich, dass es erst mal wieder genug ist.

Tag eins mit dem Naida CI

Tag Eins mit dem Naida CI

Fünf Wochen nach der CI Operation

Heute bin ich im CIC Homburg (Cochlea Implantat Centrum, ein Bereich der HNO Klinik am Universitätsklinikum in Homburg). Fünf Wochen nach der Operation bekomme jetzt mein Naida CI Q70 Gerät. Nun darf ich zum ersten Mal Töne damit wahrnehmen.

Technische Vorarbeiten

Naida Koffer-Erstausstattung
Naida Koffer-Erstausstattung

Es beginnt mit dem Zusammenbau des Gerätes und der anschließenden Justierung. Ich gebe ja schon immer darauf Acht, dass die technische Entwicklung mein Vorstellungsvermögen nicht überholt. Es bleibt wohl ein permanenter Wettlauf zwischen der Entwicklung und mir. Was ich damit sagen will: offenbar lässt sich nach Anbringung meines neuen Gerätes am Kopf, und einer speziellen Verbindung mit einem PC, am Computer feststellen, wie weit mein Hörnerv bzw. das Bündel davon, bereit ist, mit dem Naida (so heißt mein neues Bauteil am Kopf) zusammen zu arbeiten. Entsprechend kann dann eine Anpassung vorgenommen werden.

Für mich ist es sehr erhebend, plötzlich deutlich zu spüren, auf der linken Seite Töne bzw. Geräusche wahrzunehmen. Das allein ist schon mal ein toller Schritt.

Erstes Hörtraining

Nach diversen Einstellungen erfolgt ein erstes Hörtraining. Das scheint mir die eigentliche Herausforderung zu sein.

Von vielen Seiten wurde und werde ich ermahnt, Geduld haben zu müssen, mein Hörnerv braucht Zeit um wieder differenziert zu arbeiten. Diese Geduld bringe ich auf – der Nerv offenbar auch.

Es beginnt damit, kurze und lange Töne zu erkennen und zu benennen. Das mag banal klingen, aber für die ersten Wahrnehmungen auf meiner linken Seite ist das durchaus etwas Neues. Eine Steigerung des gerade Gelernten sind dann Töne in unterschiedlicher Höhe, gefolgt von jeweils zwei aufeinander folgenden Tönen, die ich in ihrer Tonhöhe unterscheiden bzw. zuordnen muss. Das klappt auch. Offenbar ist mein Hörnerv, der Linke, zur Zusammenarbeit bereit – ich bin es auch. Zusammenarbeit habe ich schon immer geschätzt.

Um nicht zu langweilen, viele möchten wissen, wie hört sich das denn nun an, wenn die ersten Töne über ein Cochlea Implantat gehört werden. Ich kann das selbstverständlich nur für mich persönlich beantworten.

Blechdosentelefon

Als Kinder haben wir Telefone gebastelt. Dazu benötigten wir eine Schnur, die an jedem Ende durch Knoten an alten Blechdosen befestigt wurde. In der Regel nahmen wir alte leere Konservendosen die wir irgendwo fanden – an einem Ende vielleicht eine eher flache Fischdose und am anderen Ende eine Einliter Konservendose in der vermutlich mal Erbsen konserviert waren. Da ich den Fischgeruch schon als Kind nicht mochte, habe ich Fischdosen immer abgelehnt. In die Dosen hatten wir mit einem spitzen Gegenstand und einem Stein, der als Hammer diente, Löcher geschlagen und durch diese Löcher dann die Schnur gezogen. Ein Dicker Konten auf beiden Seiten des Lochs sorgt dabei für Halt und die notwendige enge Verbindung zwischen Schnur und Dose. Je länger die Schnur war, die wir auftreiben konnten, desto größer wurde der Abstand zwischen uns Freunden. Ganz ideal war die Situation, wenn wir uns mit unseren Stimmen nicht mehr hören konnten. Die Schnur musste gespannt sein. Mein Spielkamerad sprach in die Fischdose und er ich heilt meine Erbsendose ans Ohr. So stellen wir eine „Telefonverbindung“ her.

Ich hoffe nicht, dass durch dieses Kinderspiel die Grundlagen meiner Schwerhörigkeit gelegt wurden. Aber wenn Ihr Euch dieses Spiel akustisch vorstellen könnt, kommt das dem ersten Hören mit meinem Cochlea Implantat sehr nahe.

Ein weiterer Vergleich, der mir zum ersten Hörerlebnis einfällt: Stell Dir ein Metallrohr in möglichst großer Länge vor – zehn Meter oder mehr. An einem Ende spricht oder ruft jemand hinein. An das andere Ende hältst Du Dein Ohr. Wie ich schon oben angedeutet habe. Es ist erhebend.

Zahlen hören – Zahlen raten

Frank als CI Träger
Frank als CI Träger

Um diesen Tag noch abzurunden – das Hörtraining geht noch weiter. Es versteht sich von selbst, beim Hörtraining muss das noch hörende Ohr verschlossen werden. Hören von Sprache ist etwas ganz anderes als das Hören von Geräuschen. Sprache ist bedeutend anspruchsvoller. Ich kann heute mit dem CI Sprache nur sehr sehr leise hören und noch schlechter verstehen.

Mir werden Zahlen, die ich gleichzeitig ablesen kann, vorgelesen. Diese Zahlen sollen verstanden werden. Anschließend werden diese Zahlen in willkürlicher Reihenfolge vorgelesen und ich darf sie erkennen und aussprechen. Das gelingt weitgehend, mit der Geduld meiner Trainerin und auch mit meinem Willen, wieder hören zu lernen.

Ich werde über die am ersten Tag erzielten Fortschritt gelobt. Das tut mit gut, ich hoffe auf mehr – Fortschritt und Lob.

Alle geben sich sehr viel Mühe mit mir. Danke!

Persönlichkeitsveränderung durch Schwerhörigkeit

Persönlichkeitsveränderung
Persönlichkeitsveränderung

Persönlichkeitsveränderung durch Schwerhörigkeit

Es geht ganz langsam, aber Du veränderst Dich, wenn Du schwerhörig bist. Du veränderst Deine Persönlichkeit.

Der Zusammenhang ist einfach und logisch. Je weniger Du hörst, desto weniger wirst Du verstehen. Wenn Du weniger verstehst, ergibt es ich zwangsläufig, dass Du Antworten oder Kommentare gibst, die nicht ganz auf das passen, was die anderen gesagt haben. Du liegst – gelinde gesagt – daneben. Und das hat Folgen.

Wie habe ich das erlebt?

Wie bin ich damit umgegangen und wie gehe ich noch damit um? Ich habe mich Schritt für Schritt – in kleinen dosierten Schritten – zurückgezogen. Von meinem Naturell her rede ich gern mit, bin manchmal ein Erklärer und führe gerne das Wort. Besonders gerne stelle ich Fragen. „Wer fragt der führt“ habe ich mal gelernt und auch sehr viel in Seminaren vermittelt. Es gehört zu meinem Wesen, viel zu fragen.

Wer fragt der führt

Schwerhörigkeit führt zu Einsamkeit  - wie allein auf dem Meer
Schwerhörigkeit führt zu Einsamkeit – wie allein auf dem Meer

Dummerweise ist es mir immer noch nicht ganz gelungen, das abzustellen. Ich habe es noch nicht ganz geschafft. Denn – wer fragt, erhält in der Regel auch Antworten. Nur, was fang ich mit Antworten an, die ich nicht verstehe? (Was fragst Du dann so blöd, wenn Du doch sowieso nichts verstehst?) Als Fragender gebe ich den Anstoß für ein Gespräch, ein Thema vor. Und dann merke ich, dass ich nicht mithalten kann, weil ich die Gesprächspartner nicht verstehe, bzw. missverstehe – interpretiere. Daraus entwickelt sich in der Regel ein kleines Chaos, für mich zumindest. Aus dem komme ich dann nur wieder heraus, wenn ich meine Beteiligung am Gespräch mit dem Satz beende „Entschuldigung, ich wollte mir abgewöhnen, Fragen zu stellen, weil ich die Antworten sowieso nicht verstehe.“

Bei der nächsten Gelegenheit, schaffe ich es, mich solange zurückzuhalten, bis ich glaube, doch etwas verstehen zu können oder mein Wunsch, auch mal wieder etwas ins Geschehen rücken zu wollen, so groß ist, dass ich meinen Hinderungsgrund kurzzeitig vergesse. Das Ergebnis ist immer wieder das Gleiche. Pech gehabt.

 

Im Beitrag „Einsam unter Freunden“ klingt das schon an. Ich ziehe mich mehr und mehr zurück und beschränke mich aufs Beobachten.

Wie schätzt Du einen Menschen ein, der in einer Runde sitzt und kein Wort außer, „kannst Du mir bitte mal den Salat reichen“, spricht? Desinteressiert, sehr ruhig, merkwürdig still, unbeholfen, Muffel oder vielleicht auch arrogant.

Meine Persönlichkeit änderte sich im gleichen Tempo, wie sich meine Schwerhörigkeit entwickelt hat.

Gerne unter Menschen – Menschen meiden

Ich liebe es unter Menschen zu sein – doch ich meide diese Situation mehr und mehr.

Ich ziehe mich zurück – ich bin dann nicht nur in der Situation „zurückgezogen, ich lebe dann auch mehr und mehr zurückgezogen.

einsam unter Freunden
einsam unter Freunden

Bei irgendwelchen Veranstaltungen stehen Menschen in Grüppchen herum und unterhalten sich – Small Talk – vor Beginn oder in Pausen. Wo stehe ich dann? Bin ich allein, stehe ich irgendwo am Rande, mit der Hoffnung, dass mich keiner anspricht. Bin ich gemeinsam mit meiner Frau, stehe ich höflich neben ihr, nicke freundlich, beteilige mich aber nicht. Wie das von anderen, die mich nicht näher kennen, interpretiert wird, vermute ich mal zumindest mit „unhöflich“.

Persönlichkeitsveränderung

Meine Persönlichkeit hat sich verändert. Ich bin menschenscheu geworden, unterhalte mich nicht mehr und meide Menschenansammlungen – verlerne angeregt mitzureden.  Im gleichen Maße reagiert meine Umwelt auch angemessen. Ich werde weniger angesprochen, weniger gefragt und fühle mich „geduldet“. Das schwächt zusätzlich mein Selbstbewusstsein.

Ich bin ein völlig anderer Mensch geworden, gemessen an der Zeit, in der ich noch normal gehört habe.

Mein Ziel habe ich ganz klar vor Augen. Ich will diese Entwicklung wieder rückgängig machen – mit einem Cochlea Implantat.

schwerhörig mit Tieren sprechen
schwerhörig mit Tieren sprechen

Mit unseren Hunden und Katzen spreche ich derzeit mehr als früher. Deren Antwort kann ich von den Augen ablesen. „Was laberst Du da wieder??“

Bald ist es soweit

Bald ist es soweit

Beginn am 07.07.

Franks Kopf - Haare nachgewachsen
Franks Kopf – Haare nachgewachsen

Am Dienstag, 07.07.2015 beginnt mein neues Hören mit dem Cochlea Implantat. Das bedeutet konkret, die Naht der Operation ist weitgehend abgeheilt – nun kann das Gerät zum ersten Mal angesetzt werden. Ich bin sehr gespannt darauf.

Meinen Blog habe ich ja schließlich im Untertitel „mein Weg in die Schwerhörigkeit und zurück“ benannt. Jetzt muss sich das „ZURÜCK“ beweisen.

Wie auf dem Foto meines Hinterkopfes zu sehen, sind meine Haare inzwischen wieder gewachsen. Die Naht ist nicht mehr sichtbar.

Fragen

Wie werden sich die ersten Geräusche über dieses technische Hilfsmittel anhören? Funktioniert das überhaupt alles? Bisher konnte ich den Erfolg der Operation ja noch nicht wirklich wahrnehmen. Ist mein Hörnerv wirklich noch soweit in Ordnung, dass ich ihn mit Hilfe des Implantats und des Außengerätes nutzen kann? Ja doch – es wurde ja vorher alles getestet.

Trotz dieser Fragen bin ich sehr zuversichtlich – ich kann es kaum noch erwarten und möchte endlich diesen für mich neuen Prozess beginnen und mit dem Cochlea Implantat neu hören lernen. Im Vorfeld hatte ich bereits Gespräche mit zwei Damen, die ein solches Gerät tragen. Eine erst sehr kurze Zeit, die andere bereits seit Jahren. Beide Gespräche haben mich sehr unterstützt in meiner Entscheidung, diese Kopf OP bei mir durchführen zu lassen.

Mut machen

Auch ich möchte in Zukunft anderen Mut machen, diesen Schritt zu gehen. In wenigen Tagen kann ich das schon genauer ausdrücken.

Geburtstagsfeier

Gestern durfte ich mal wieder eine Geburtstagsfeier im Freundeskreis erleben. Wir saßen auf der Terrasse an mehreren aneinander gereihten Tischen. Mir fiel auf, dass ich einen Freund, der am weitesten von mir weg saß, teilweise verstehen konnte, jedoch die Menschen, die mit an meinem Tisch saßen verstand ich nicht. Diese Situation kennen vermutlich viele andere auch.

Persönlichkeitsveränderung

Im Hinblick auf mein Cochlea Gerät, welches ich in der kommenden Woche zu ersten Mal ans Ohr bekomme, bildete ich mir ein, schon ein wenig kecker in meinem Auftreten und in bruchstückhaften Unterhaltungen, zu sein. Vielleicht hat mir auch nur der Wein gut geschmeckt. Abwarten.

Facebook Gruppen

Mit Facebook Gruppen zu „Schwerhörigkeit, Cochlea und anderen verwandten Themen“ habe ich Kontakt aufgenommen. Überrascht war ich, umgehend kleine Erfahrungsberichte von Gruppenteilnehmern erhalten zu haben mit jeder Menge Zuspruch für mein Leben mit Cochlea. Danke dafür.

Ulm 1982 – Apollinaris

Ulm 1982 – Apollinaris

Ulm

Seit wenigen Jahren wohne ich im Raum Ulm. Ulm ist eine sehr sympathische Stadt. Die Stadt hat ein bisschen von allem, mit viel Flair und guter Stimmung – zumindest in den Achtzigern.
Ulmer Münster, Tourismus, Altstadt, Studentenkneipen, gutes Essen und Vieles mehr – Ulm hat von allem etwas und davon nie zu viel.

Hören in Altstadtkneipen

Besonders in den schönen Altstadtkneipen machte mir mein schlechtes Gehör zu schaffen. Männern sagt man nach, sie leiden lieber anstatt zum Arzt zu gehen, neigen aber dazu ihr Leiden wie ein Banner vor sich herzutragen. Nun, so blieb es auch bei mir nicht aus, dass meine Mitmenschen von meiner Schwerhörigkeit erfuhren und mir auch umgehend Ratschläge erteilten. „Geh doch mal ins XX Krankenhaus. Die haben eine gute HNO Abteilung.“


Dieses Foto von Ulm wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

HNO Abteilung 

Mit diesen guten Empfehlungen versehen, habe ich mich in der Klinik angemeldet und wurde dort anschließend fast zwei Tage lang untersucht und getestet. Das alles wirkte auf mich sehr professionell. Am dritten Tag hatte ich einen Gesprächstermin beim leitenden Arzt dieser Abteilung.

Abschlussgespräch

Er beschrieb noch einmal alle durchgeführten Test und kam dann zum Ergebnis. „Sie hören links sehr schlecht und mit dem rechten Ohr auch schon eingeschränkt“ waren etwa seine Worte. Die ebenfalls genannten konkreten Daten der Hörstärken und Frequenzbereiche habe ich längst vergessen. „Gut“ meinte ich, „das wusste ich bereits, es ist der Grund weshalb ich zu Ihnen gekommen bin. Was können wir jetzt dagegen machen?“ „Dagegen können wir in Ihrem Fall nichts weiter machen“ meinte er. „Vielleicht kann man es mal in ein paar Jahren mit einem Hörgerät links versuchen. Aber wirklich tun können wir derzeit nichts.“

Bei diesem Gespräch war ein weiterer Arzt, es war der Oberarzt, mit anwesend.

Nebenthema Nase

Außer meinen Hörproblemen hatte ich damals auch mit ständigem Schnupfen – leider noch nicht als Allergie identifiziert – zu kämpfen. Deshalb sprach ich dieses Thema auch noch kurz an. Diverse Nasensprays hatte ich bereits benutzt, aber auch wieder abgesetzt. Ich wollte nicht davon abhängig werden.
Doch dazu wollte mir mein Gesprächspartner keinen Rat geben, es wären neue Untersuchungen dazu erforderlich gewesen. Und so endete unser Gespräch.

Empfehlung

Beim Rausgehen begleitete mich der Oberarzt und nahm mich kurz zur Seite. „Unser Chef ist noch ganz neu hier. Unser bisheriger Leiter hat sich als Arzt niedergelassen. Gehen Sie doch mal dahin“ flüsterte er mir zu. Er gab mir Namen und Adresse und verschwand dann schnell und unauffällig. Illoyalität mag ich nicht – vielleicht war dieser Herr noch zu loyal mit dem Vorgänger.
Zeitlich konnte ich es gut einrichten, also meldete ich mich bei diesem HNO Arzt an.


Dieses Foto von Ulm wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

 

 

 

 

HNO Arzt

In der Sprechstunde erklärte ich, wer mich geschickt hatte sowie meine Ohren und Nasen Probleme. Seine Aussage zu den Ohren konnte ohne eigene Untersuchung nur oberflächlich sein. Er bestätigte, dass das Krankenhaus in Ulm gute Arbeit leistet  – das hatte ich auch nichts anderes erwartet.

Apollinaris

Zu meinem Schnupfen riet er mir wie folgt: „Ich schreibe Ihnen ein Nasenspray auf – dieses Spray empfehle ich nur deshalb, weil die Flasche eine gute Funktion hat und wieder auffüllbar ist. Den Inhalt gießen Sie bitte ins Waschbecken. Dann füllen Sie diese Flasche mit Apollinaris oder anderem salzhaltigen kohlensäurearmen Mineralwasser auf. Das benutzen Sie bitte als Nasenspray. Sie benötigen davon etwas mehr als von anderen Sprays, aber Sie schädigen Ihre Nase nicht weiter.“  Mit diesem guten Rat und einem Rezept verließ ich diesen Arzt – den Rat habe ich immer wieder mal befolgt. Besser hören konnte ich aber immer noch nicht.

Damals stellte ich mir die Frage, wovon dieser Mann lebt, wenn er alle Patienten mit solchen Ratschlägen fortschickt. Der Rat war damals gar nicht so schlecht – für meine Allergie.

Siehe auch:
Schwerhörig 1974
Augsburg 1977 – Nasenscheidewand
Rauchen im Nichraucherfahrzeug
Hör-Karriere im Beruf

Übersicht aller Beiträge

 

Gespräch in der Heißmangel

Gespräch in der Heißmangel

am Donnerstag 11.06.2015

.. dieses neue Hörgerät kopf-ohne pflaster

„Ah, bekommen Sie dieses neue Hörgerät?“ fragt mich die Dame in
der Heißmangel. „Ich habe da kürzlich einen Bericht im Fernsehen gesehen.  Sie wies mit einer Handbewegung auf meinen Kopf, der deutlich sichtbar rasiert die Narbe der Operation zeigt – noch mit Fäden geschmückt.

Mein Mann ist auch schwerhörig

„Ja, mir wurde vor ca. einer Woche ein Cochlea Implantat eingesetzt.“ war meine Antwort. Gerade wollte ich weiter ausholen, doch meine Gesprächspartnerin war sehr daran interessiert, zunächst mal von ihrem Mann und seinen Hörproblemen zu berichten.  „Mein Mann hört nur noch auf einem Ohr und auf dem anderen Ohr versteht er wenig. Wenn wir ihn nicht direkt anschauen und ansprechen, versteht er nicht worüber wir sprechen. Es ist schlimm, auch für uns alle. Manchmal führt das auch zu Missverständnissen – wenn wir mit mehreren Leuten im Gespräch zusammen sitzen, bemühen sich alle, ihn beim sprechen anzusehen.  Da er meistens dennoch nicht versteht, worüber gesprochen wird, meint er manchmal wir sprechen über ihn.“ Schnell versuchte ich ein „das kann ich gut verstehen“ unterzubringen.

„Ja, dann wird er manchmal ärgerlich und fühlt ich nicht ernst genommen, besonders dann, wenn gelacht wird“ fährt sie fort „und  dabei haben sich alle nur Mühe gegeben. Das ist für uns alle auch nicht so leicht.“

Symptome wie bei mir

Parallelen zur eigenen Situation erkenne ich sofort. Die Schwierigkeiten aus der Sicht des familiären Umfeldes sind auch mir geläufig. Es leidet eben nicht nur der Schwerhörige, sondern auch seine Familie.

Der Weg zum Cochlea Implantat

Weiterhin zeige ich Verständnis und erkläre anschließend, die Gründe des Nichtverstehens sowie die verschiedenen Schritte, bis zum Hören mit einem Cochlea Implantat.

Die Cochlea OP war für mich ganz harmlos

„Ich hatte zuvor eine große Abneigung, mich am Kopf operieren zu lassen“ erkläre ich „aber es war ganz harmlos für mich. Durch die Narkose habe ich nichts mitbekommen. Und als ich wieder wach war, war alles vorbei. Ich hatte keine Schmerzen, bis heute nicht.“

Das muss ich meinem Mann erzählen

„Das muss ich heute Abend sofort meinem Mann erzählen“ meint sie beim Abschied.

Gespannt bin ich auf die Reaktion von Mitmenschen, wenn ich das CI endlich tragen werde. Vermutlich gibt es mehr Menschen im weiteren Umfeld, die ebenfalls schlecht hören.

Mehr Männer oder Frauen schwerhörig?

Mich beschäftigt die Frage, ob es mehr Männer oder Frauen sind, die von Schwerhörigkeit betroffen sind. Nach meiner subjektiven Beobachtung habe ich bisher mehr Männer gesprochen, die betroffen waren.

Wieder zu Hause

vorher: Nach der CI Operation

Wieder zu Hause

 Sonntag

Vor fünf Tagen wurde ich operiert. Seit zwei Tagen sitze ich nur noch kopf-pflasterherum, gehe spazieren, schreibe und unterhalte mich auf der Station. Seit zwei Tagen frage ich danach, „wann kann ich heim?“

Nicht dass ich mich langweile, ich habe hier immer irgend eine Beschäftigung. Aber es wird langsam unbequem – die Sitzhaltung, beim Schreiben, die Haltung beim abendlichen Fernsehen – der Bildschirm ist sehr klein und hat, wegen des alten Formates noch schwarze Streifen oben und unten, der große Chrombügel, der über das Bett ragt befindet sich auch noch im Blickfeld, und einiges mehr. Außerdem freue ich mich, bald wieder auf beiden Seiten schlafen zu können – bedingt durch die Operation war es notwendig, nur auf meiner rechten Seite, auf meinem rechten Ohr zu liegen.

Entlassung

Heute werde ich entlassen. Das erste Anzeichen dafür ist die Reinigungskraft. Sie kommt schon gegen acht Uhr und wischt meine Schrankteile und meinen Nachttisch aus. Auch mein Bett wird bereits neu bezogen und ist somit nicht mehr meins. Relativ früh kommt dann der Arzt und teilt mir mit, dass ich ab sofort entlassen bin.

Der Pfleger ruft mich nach kurzer Zeit und entfernt mir die Pflaster von Ohr und OP-Naht, reinigt mein Ohr und gibt mir vorsorglich ein Paar Pflaster mit. Ich werde aber kein Pflaster mehr anlegen – will Luft an die Naht lassen.
Jeder lobt die Naht, die ich selbst nur unter eignen Körper- und Halsverrenkungen sehen kann. „Das sieht aber gut aus.“ Höre ich vielfach, auch von Nichtfachleuten. Ich bin sehr zufrieden.

 Abschied

Mit meinem aktuellen Mitbewohner unterhalte ich mich noch bis ich abgeholt werde. Für mich ist es ein sehr gutes Gespräch, mein Eindruck ist, dass er dass auch so empfindet. Bisher hatten wir uns mit längeren Unterhaltungen zurückgehalten, nach seiner OP konnte und sollte er nur sehr wenig sprechen.

Seit ein Paar Tagen ist auch Fritz wieder auf der Station, ich hatte mich inzwischen ein paar Mal mit Ihm unterhalten. Von ihm verabschiede ich mich noch rasch.

Jetzt steht plötzlich meine Frau im Türrahmen. Wir benden unser Gespräch. Ich werde abgeholt. Schnell verabschiede ich mich noch vom anwesenden Personal. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Station habe ich als stets hilfsbereit, immer freundlich, und auch – soweit ich das einschätzen kann – kompetent erlebt. Der Abschied fällt fast ein bisschen schwer. Danke an alle!

Aber ich komme ja wieder – wenn es daran geht, hören neu zu lernen, sobald das Gerät angesetzt wird.

 kopf-ohne pflasterZuhause

Zuhause angekommen freue ich mich, wieder da zu sein, die Familie, die eigenen Räumlichkeiten, der Garten mit rauschenden Bäumen und allen unseren Tieren.

Als erstes lasse ich ein Foto von meinem Kopf, meiner Operationsnaht machen.

 Rückblick

Angst vor der Operation hatte ich nicht, aber Respekt. Trotz meines reifen Alters musste ich noch keine Operation und keine Vollnarkose über mich ergehen lassen. Darauf war ich fast ein wenig stolz. Vor Jahren hätte und hatte ich mich gestäubt, mich am Kopf operieren zu lassen. Ich ging davon aus, mir mit Hörgeräten helfen zu können. Doch das war eine Fehleinschätzung.

Wenn bestimmte Frequenzen nicht mehr gehört werden, dann gibt es nur noch wenige Lösungen. (Siehe dazu meinen Beitrag „Schrei nicht so“)

Jetzt, so schätze ich es ein, habe ich den schwerwiegendsten Schritt hinter mir, die Operation am Kopf. Das Implantat sitzt dort wo es sitzen soll – das kann ich selbst noch nicht wirklich einschätzen, aber ich gehe davon aus.

Heilungsprozess

Hin und wieder spüre ich leichte „Aktivitäten“ im Bereich meines linken Ohrs und darum herum. Mir fallen keine besseren Begriffe ein als Aktivitäten. Es zuckt manchmal, dann sticht es ein bisschen, dann zieht es wieder mal und auch der Druck fühlt sich anders an. Alle die Begriffe die ich nun doch gewählt habe, mehr noch die Vorstellungen die ich mit diesen Begriffen verbinde, müssten um jeweils 80 % abgemildert werden. Diese Wahrnehmungen führe ich auf den fortschreitenden Heilungsprozess zurück.

Mir geht es sehr gut.

In ca. einer Woche werden die Fäden gezogen.

Warum Verstehen wichtig ist

Warum ist Verstehen für mich wichtig?

Schleichender Prozess

Der Prozess ist schleichend, ganz langsam habe ich immer schlechter gehört und vor allem immer schlechter verstanden. Verstehen bedeutet ja nicht nur Wörter oder Sätze zu hören, hören ist nur die Voraussetzung für Verstehen. Verstehen bedeutet die Inhalte zu begreifen, zu bewerten, die mit Sprache vermittelten Gefühle zu erfassen, für sich selbst zuzulassen, sich davon „infizieren“ zu lassen.

Ein weiterer Prozess im Hintergrund

Mit dem schleichenden Prozess der Schwerhörigkeit, geht ein anderer Prozess im Hintergrund einher, für andere kaum wahrnehmbar, ein leiser stummer Prozess des „aus der Welt Fallens“, des „nicht mehr beteiligt zu seins“.

In einem Gespräch unter drei und mehr Personen ist es niemandem zuzumuten, ständig den „Übersetzer“ in Kurzschrift bzw. Kurzsprech zu spielen. Ein gutes Gespräch nimmt einen nicht vorhersehbaren Verlauf, das macht den Reiz aus. Da stört jede Zwischenfrage „was hast Du gesagt?“ „was hat sie gemeint?“. Das normale Gespräch könnte dann nicht mehr weiter fließen.

Nun habe ich mir gedacht, na ja, du bekommst nicht mehr alles mit. Dann musst du dich anders beschäftigen, viel lesen und fernsehen. Da wirst du nicht viel Schaden nehmen.

Inzwischen weiß ich, dass es anders ist.

Meine  Schwerhörigkeit

Ich kann nur von mir und meinen Eindrücken und Erfahrungen ausgehen und berichten. Ich weiß nicht, wie es anderen Schwerhörigen da geht. Es interessiert mich aber.

 Signale der sozialen Veränderungen

Die ersten Signale sind die Reaktion des eigenen Umfeldes auf Nachfragen von mir. „Das war nur unwichtiges Geschwätz:“ „Soll ich dir jetzt etwa die ganzen Dialoge wiedergeben?“ – ja, ich habe Verständnis dafür, dass das nicht geht. Auch ich kann meist von einem 20 Minuten Gespräch nur den Extrakt wiedergeben. Das dauert vielleicht ein bis zwei Minuten.

 wald-licht

In Gesellschaft

Kennst Du das? Du bist unter Freunden oder einfach in Gesellschaft. In einer vermeintlich unbeobachteten Sekunde flüstert Dir Deine Partnerin oder Dein Partner schnell etwas zu.

Ich verstehe den Inhalt nicht, kann nur selten aus der Gestik oder Mimik irgendwas interpretieren. Wie gehe ich damit um? Folgende Fragen schießen mir durch den Kopf:

„War es etwas Wichtiges, dass ich sofort beachten sollte?“ „War es nur ein witziger Einwand zum vorher gelaufenen Gespräch?“ „Soll ich etwas aus dem Auto holen?“ „Ist es ihr vielleicht nicht gut und ich sollte reagieren?“ „War es vielleicht eine Bemerkung zu einem der anderen Anwesenden?“ – Ich weiß es nicht.

Aus Erfahrungen heraus, die nicht immer elegant verliefen, gibt es für mich derzeit nur noch eine Reaktion: „Ich habe leider Nichts verstanden.“

Häufig lautet dann die Antwort: „Ist schon vorbei.“ oder „Hat sich erledigt.“ Das ärgert mich einerseits, weil ich nun nicht mitbekommen habe, was evtl. Situationskomik gewesen wäre, andererseits entspannt es mich, ich kann ruhig sitzen bleiben.

Umgehung

Außerdem nehmen meine Beobachtungen zu, von vorne herein nicht mehr in Gespräche, Diskussionen oder auch Kleinigkeiten eingebunden zu werden. Hier findet ein Umgehen statt, womöglich für kurze Informationen und Problemlösungen. Da wird es zur Hürde, wenn mich jemand da einbindet – aus Zeit- und Nervengründen.

Was verursacht das bei mir? Bei allem Verständnis für die Notwendigkeit dieses Verhaltens empfinde ich so etwas wie Missachtung, Diskriminierung, nicht mehr gebraucht zu werden (außer körperlichen Tätigkeiten wie Kartoffeln aus dem Keller holen, Rasen mähen oder dergleichen). Das bedeutet, mein Geist, mein Intellekt wird zunehmend überflüssiger, zumindest für mein Umfeld. Das kratzt am Ego. Es ist ein permanenter Kampf, sich dagegen zu wehren.

Der trottelige Alte

Der stille, stumme schleichende Prozess bewirkt aber noch etwas anderes. Wenn ich nicht aufpasse, werde ich zu dem trotteligen Alten, den ich manchmal schon abgebe. Wenn mein Gehirn nicht gefüttert wird und nicht gefordert ist, ist es nicht mehr geübt, schnell zu reagieren und selbst spontan Beiträge ins Gespräch einzubringen, es verlernt diese Fähigkeiten – langsam, schleichend eben.

Ich möchte aber auch weiterhin nützlich sein, über die Handreichungen hinaus.

Deshalb verspreche ich mir vom Cochlea Implantat mehr als nur besser zu hören. Ich möchte wieder vollwertig am Leben teilnehmen.

 

hier von mir gerne zitierte Kommunikationsgrundsätze:

 gedacht heißt noch nicht gesagt

gesagt heißt noch nicht gehört

gehört heißt noch nicht verstanden

verstanden heißt noch nicht einverstanden

einverstanden heißt noch nicht umgesetzt

 

Augsburg 1977 Nasenscheidewand

Augsburg 1977  – Nasenscheidewand

 Wohnen und Arbeiten in Augsburg

Seit einigen Jahren merkte ich und wusste es auch. Ich höre links schlecht und manchmal empfinde ich den Druckausgleich im Kopf nicht perfekt – vor allem links.

Ab 1972 habe ich damals in Augsburg gearbeitet und in der Peripherie gewohnt.

Ein Paar Kollegen haben mir einen Hals Nasen Ohrenarzt empfohlen. Der Name ist mir entfallen. Er wurde als der Beste von Augsburg bezeichnet.

 HNO Arzt in Augsburg

Als ich bei diesem Arzt in der Sprechstunde war und ihm meine Hörbeschwerden nannte, schaute der mir in die Nase und konnte sofort sein Urteil fällen. Das ist kein Wunder, Ihre Nasenscheidwand ist links so schief, da fließt nicht genug ab und es staut sich bis in den Ohrbereich. Zu dieser Zeit war ich privat versichert.

Er schlug mir eine umgehende Nasenscheidewand Korrektur vor die er selbst im Evangelischen Krankenhaus in Augsburg als Belegarzt durchführen wollte. Da ich seiner Versicherung glaubte, dass das die richtige erforderliche Maßnahme sei, ließ ich mich darauf ein.


Dieses Foto von Augsburg wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

 

 

 

 

 

 

Unter örtlicher Betäubung brach er mir in der Nase einige Knochenteile heraus – zumindest fühlte es sich so an. Anschließend sollte ich für eine Woche im Krankenhaus bleiben.

Altes Gebäude mit „Tanzsaal“

Es war ein altes Gebäude mit knarrenden Holzdielenböden. Für mich stand ein riesiges Einzelzimmer zur Verfügung, es hätte auch als Übungsraum für eine Tanzschule herhalten können.

Nach dieser Woche konnte ich keine Verbesserung feststellen. Er meinte dazu, das dauert schon ein paar Wochen, ich müsse etwas Geduld haben.

 Geduld

Wenn es darauf ankommt habe ich viel Geduld. Es änderte sich aber nichts. Auch in den folgenden Jahren wurde es nicht besser mit meinem Gehör, eher schlechter.

 Ich fühle mich verschaukelt

Rückblickend wurde mir bewusst, dass dieser Augsburger Arzt mir nicht einmal in mein Ohr geschaut hat. Vielleicht war er Spezialist für die Nasenscheidewand. Damals waren die Abrechnungssysteme mit den Kassen auch noch anders. Das Krankenhaus hat vermutlich auch davon profitiert. Später habe ich von Freunden und Bekannten gehört, dass bei ihnen die Nasenscheidewand Korrektur ambulant in der Arztpraxis durchgeführt worden war.

 Vom Einzelnen nicht auf die Gruppe schließen

Nun bin ich kein Mensch, der pauschal Berufsgruppen verteufelt und alle für das Verhalten Einzelner der Spezies verantwortlich macht. Vor jedem, der seinen Beruf, seine Arbeit verantwortungsvoll und ernsthaft ausführt, habe ich Respekt. Auch habe ich Verständnis für Fehler die gemacht werden – vorausgesetzt, der Verursacher steht auch dazu. Viele Fehler, z.B. von Handwerkern lassen sich beheben, Fehler von Ärzten jedoch nur selten.

Ich kann auch nachvollziehen, dass jemand für seine Leistung angemessen honoriert wird. Ich war selbst lange genug selbständig tätig. Aber ich erwarte, dass die bestellte und gelieferte Leistung dem Angebot entspricht.

Nun ja, meine Schwerhörigkeit entwickelte sich weiter.

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Nachtrag: Augsburg ist eine durchaus schöne und sehenswerte Stadt.

Siehe auch:
Schwerhörig 1974
Ulm 1982 – Apollinris
Rauchen im Nichtraucherfahrzeug
Hör-Karriere im Beruf

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