Archiv der Kategorie: Hör-Historie

Ereignisse auf dem Weg zur Schwerhörigkeit

Airbagging

Airbagging

Fahrt nach Wien

Im Januar 2005 waren mein Kollege Walter und ich gemeinsam mit einem Mietwagen auf dem Weg nach Wien. Ich lebe am westlichsten Rand von Deutschland, da ist es schon eine weite Strecke bin in den österreichischen Osten nach Wien. Walter holte ich in Augsburg ab. Als wir dort wieder los fuhren, war es bereits zweiundzwanzig Uhr und dunkel. Walter hatte auf den letzten Drücker noch etwas erledigen müssen. Da ich schon ein paar Stunden gefahren war, übernahm er das Steuer. Er war immer ein guter und sicherer Autofahrer und ist es wohl heute noch. Deshalb schloss ich die Augen und versuchte ein wenig zu entspannen. Kurz nach der Autobahnausfahrt Odelzhausen, zwischen Augsburg und München, schreckte ich durch einen lauten Knall und eine Erschütterung hoch. Gleichzeitig riss ich die Augen auf. Ich sah Nebel im Fahrzeug, und hatte keine Sicht mehr auf die Straße.

Airbags explodiert

Airbag ausgelöst
Airbag nach Explosion

Beide Airbags waren explodiert und hingen schlaff herunter. Walter versuchte quasi blind das Fahrzeug zu steuern und herunter zu bremsen. „Ich habe gerade zwei andere Autos überholt und plötzlich zwei Wildschweine erwischt“, stieß er hervor. Es gelang Walter, den Mietwagen zum Stehen zu bringen. Zum Glück verlief die Autobahn an dieser Stelle geradeaus. Die Fahrer der beiden soeben überholten Fahrzeuge hatten alles gesehen und natürlich auch sofort abgebremst und angehalten.

Wildschweine bei Tempo 200

Wildschweine Autobahn
Wildschweine auf der Autobahn

Walter hatte bei ungefährem Tempo zweihundert, zwei Wildschweine, die genau in diesem Moment die Autobahn überquerten, frontal erwischt. Die Wildschweine wurden durch den Aufprall sofort getötet und weggeschleudert. Das Auto erlitt ein Totalschaden und musste abgeschleppt werden. Die Wildschweine wurden innerhalb sehr kurzer Zeit durch die Autobahnmeisterei gefunden, aufgeladen und abtransportiert. Es dauerte allerdings Stunden bis wir in der Nacht ein anderes Mietfahrzeug erhielten.

Schweizer Messer Anlage
Das „Schweizer Messer“ der Geldanlage

Defektes Hörgerät durch Airbag

Hier geht es um einen Blog zum Thema „Hören“, was soll also diese Geschichte? Genau deshalb schreibe ich dieses Erlebnis nieder. Zu dieser Zeit trug ich zwei Hörgeräte. Wer sich schon einmal mit Airbags beschäftigt hat, weiß wie die sehr schnelle Reaktion einer solchen Sicherheitsausstattung zustande kommt. Hier ist Pyrotechnik am Werk. Ein Airbag wird durch eine Explosion ausgelöst. Diese Explosion geht mit sehr lautem Knall und einer Druckwelle einher. Sicher habt Ihr schon einmal gehört, dass durch das Auslösen eines Airbags Hörschädigungen entstehen können.

Hörschädigung durch Airbag

Nun, die Hörschädigung hatte ich ja bereits. Wer alle Beiträge in diesem Blog gelesen hat, weiß, dass ich links, auch mit Hörgerät, nur noch sehr wenig gehört habe und nur mit dem rechten Ohr plus Hörgerät verhandlungsfähig hörte. Beide Geräte waren individuell für jedes Ohr angepasst und eingestellt. Durch die Airbag Explosion war mit einem Schlag, oder besser, mit einem „Knall“ das Hörgerät rechts unbrauchbar geworden. Das bedeutete für mich, bei unseren Verhandlungen am folgenden Vormittag konnte ich so gut wie nicht mitreden. Ich verstand unsere Gesprächspartner fast nicht. Zwar hatte ich versucht, das Hörgerät vom linken Ohr auf meiner rechten Seite zu verwenden. Dadurch erreichte mich zwar mehr Lautstärke, aber an Verstehen war nicht zu denken.

Hörschädigung durch Airbag

Lebensretter mit Schwächen (Spiegel Online)

Kein Ergebnis aber Stress

Rückblickend, am Ergebnis gemessen, hat uns alles nichts gebracht, außer Kosten und Stress.

Das Hörgerät wurde repariert und das der linken Seite neu eingestellt. Aber mit beiden Geräten wurde ich nicht mehr glücklich. Nach vielen Versuchen und Anpassungen habe ich diese Hörhilfen aufgegeben.

Ohne Hörgerät geht nichts mehr

Fazit: Viele Menschen klagen über ihre Hörgeräte – aus verschiedenen Gründen. Auch ich schließe mich da nicht aus. Doch ist es defekt, geht gar nichts mehr.

PS: Unter Airbagging verstand man vor wenigen Jahren ,leichtfertige Jugendliche, die sich aus Spaß, nachts bei ihren wohlhabenden Eltern die S Klasse oder den „Simmner“ ausliehen um damit dann bewusst auf Hindernisse wie z.B. Brückenpfeiler zu fahren.

Airbagging
Airbagging

Cross Versorgung

Cross Versorgung

Cross Versorgung - Die Brücke zwischen beiden Ohren
Cross Versorgung – Die Brücke zwischen beiden Ohren

Der Entschluss zur Veränderung 2014  

 Frank, hilfst Du mir mal eben beim ….“?
„Ja, wo bist du denn?“
„HIER“
„Wo ist HIER“?
„In der Küche“.
„Gut, ich komme“.

 Dieser Dialog verdeutlicht meine Situation. Hier ein kurzer Rückblick.

 Rückblick

Im Jahr 2002 erhalte ich meine ersten Hörgeräte auf beiden Ohren, links eine Version mit besonders kräftigen Verstärker. Sechs Jahre später entscheide ich mich für ein neues Gerät auf dem rechten Ohr, links kann mir ein Hörgerät nicht mehr helfen. Weitere vier Jahre später überzeugt mich eine Cross Lösung. Am rechten Ohr bekomme ich ein neues Hörgerät und am linken Ohr ein Gerät das genau so aussieht, aber lediglich die Geräusche und die Sprache, die mich von links erreicht, aufnimmt und per Funk an das neue Hörgerät rechts schickt. Viele Termine beim Hörgeräte Akustiker sind erforderlich, um die Anpassung für mich angemessen hinzubekommen.

Mein Gehirn muss sich erst an diese seltsame Situation gewöhnen – Signale die von links kommen, werden für das „Hörohr“ rechts verstärkt. Die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, kann ich seit einigen Jahren schon nicht mehr erkennen. Das ändert sich auch nicht durch diese Cross Geräte. Der Dialog oben erklärt das deutlich. Immerhin, mein Gehirn stellt sich auf diese Situation ein. Wenn die Batterie am linken Gerät, dem tauben Ohr ausfällt, merke ich das inzwischen sehr deutlich. Es fühlt sich fast so an, wie wenn ein Ohr ausfällt. „Was kann ein normal Hörender mit dieser Information anfangen“? frage ich mich gerade.

Cross Versorgung

Eine Cross Versorgung ist eine tolle Sache, so lange eines der Ohren noch einigermaßen gut funktioniert. Leider hat sich aber das Hörvermögen meines rechten Ohrs so verschlechtert, dass ich verschiedene Frequenzen nicht mehr wahrnehmen kann. Das wirkt sich besonderes auf das Sprachverstehen aus. Wenn ich die Konsonanten nicht mehr auseinanderhalten kann, ist es vorbei mit dem Verstehen. Da hilft auch meine Cross Ausstattung nichts mehr. Was nutzt es, wenn das Gerät auf meinem linken Ohr alles Aufgenommene exakt an mein Gerät rechts funkt, das Hörgerät rechts auch alles exakt aufnimmt, aber mein Ohr selbst nicht mehr alle Frequenzen wahrnehmen kann, die mir das Hörgerät mitteilen will?

Da hilft kein Einstellen am Hörgerät mehr, auch der Versuch einer erneuten Frequenzverschiebung sorgt nur für Verwirrung. Ich danke hier sehr meinem Hörgeräte Akustiker, Herrn Schwarz und seinen Mitarbeitern für ihre vielen Mühen mit immer wieder neuen Anpassungen.

Entscheidung für Cochlea Implantat

Doch nun will ich eine grundsätzliche Veränderung, vor der ich mich lange gedrückt habe. Ich hatte bisher Angst vor einer Operation am Kopf. Doch bevor ich vertrottele, verblöde und immer mehr isoliert lebe, treffe ich in Absprache mit meinem Hals-Nasen-Ohren Arzt die Entscheidung. Ich will ein Cochlea Implantat auf meiner linken Seite.

Schwerhörigennetz – Erfahrung mit Cross Versorgung

Dresden 2004

Dresden 2004


Dresden – Dieses Foto von Dresden wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

Nach langer Zeit

In Dresden war ich viele Jahre nicht mehr gewesen. Zuletzt war ich hier Anfang der Neunziger Jahre. Damals lag die Frauenkirche noch in Schutt. Vom gegenüberliegenden Hotel aus konnte ich den Steinhaufen betrachten und fand ihn sehenswert.

Jetzt, im Dezember 2004 bin ich also wieder hier. Die Stadt hat sich sehr verändert in den letzten zehn Jahren.

Training und Hörfähigkeit

Wegen meiner schlechten Hörfähigkeit mache ich nur noch wenig Trainings und Seminare. Nun bin ich für ein europäisches Automobilfabrikat unterwegs. Im Automobilbereich herrscht das Thema Schnellservice im Kundendienst vor und erfreut sich großer Diskussionen in Fachzeitschriften. Meine Aufgabe lautet, das Personal für den neu eingerichteten Schnellservice nach den Richtlinien des Fabrikates zu schulen und am Arbeitsplatz zu trainieren. Training am Arbeitsplatz ist eine tolle Sache. Hier beobachtet der Trainer den Echtbetrieb und gibt den entsprechenden Mitarbeitern anschließend ein Feedback. Früher habe ich ein solches Training mit Kamera und Mikrophon durchgeführt. Hier in Dresden mache ich mir nur Notizen – mehr ist nicht vorgesehen.
Beim Schnellservice geht der Kunde ohne Voranmeldung direkt in diesen Werkstattbereich, erklärt dem Mitarbeiter sein Anliegen, der schreibt dann einen Schnellauftrag und führt danach auch gleich die entsprechende Arbeit aus. Solch ein Training findet hier logischerweise in einem separat abgeteilten Werkstattbereich statt. Wer sich schon einmal in Autowerkstätten aufgehalten hat, der weiß, hier herrscht Hall. Sprache schallt von Betonwänden und der hohen Decke zurück. Kaum ideal für Schwerhörige. Für mich ist es der Hörgau. Außerdem gibt es viele weitere Nebengeräusche. Die Hebebühne fährt hoch und wieder runter, die Reifenmontage macht viel Lärm. Der Kompressor schaltet sich an und wieder ab, das Anschlagen von Gewichten beim Auswuchten von Reifen und sonstige Kleinmaschinen behindern meine Fähigkeit, Sprache zu verstehen.

Meine Aufgabe besteht aber darin, sehr genau zuzuhören, was der Mitarbeiter sagt, was der Kunde fragt oder anmerkt, wie der Mitarbeiter darauf reagiert und wie gut er auch die vorzunehmende Arbeitsleistung verkauft. Nur aufgrund meiner langjährigen Erfahrung komme ich durch diese beiden Tage. Ich lasse die Mitarbeiter in der Nachbesprechung wiederholen, was der Kunde gesagt hat und wie er, der Mitarbeiter, damit umgegangen ist. Anschließend gebe ich meine Meinung dazu ab. Die eigentlichen Dialoge zuvor konnte ich nicht verstehen. Das entspricht  nicht meiner Vorstellung von dem, was ich hier tun will.

Weihnachtsmarkt und Frauenkirche in Dresden


Frauenkirche – Dieses Foto von Dresden wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

Am Abend des ersten Tages schlendere ich durch das vorweihnachtliche Dresden. Es scheint, als sei überall in der Stadt Weihnachtsmarkt. Dresden ist nicht wiederzuerkennen. Nach etwas Suchen finde ich auch die Frauenkirche. Sie ist so gut wie wieder fertig gestellt, nur der Innenausbau ist noch nicht abgeschlossen. Es ist ein prächtiger Bau. Unweit der Kirche finden Ausgrabungen statt.

Mir schlägt meine Situation auf den Magen, ich gehe zurück ins Hotel. Wie überlebe ich den nächsten Tag in der Werkstatt mit meinem Gehör.

Wie lange noch Trainer

Doch am zweiten Tag kommt mir die Vorweihnachtszeit zur Hilfe. Es kommen im Laufe des Tages nur zwei Kunden in diesen Bereich. Damit kann ich umgehen. Ich nutze die Zeit, um viel eigene Erfahrung weiterzugeben und kann mich am Spätnachmittag endlich auf den Heimweg machen. Mit dem Auto dauert es einige Stunden zurück bis ins Saarland. Während der Fahrt grüble ich lange darüber nach, diese Art von Training aufzugeben. Bisher waren meine Auftraggeber zufrieden – aber ich bin es nicht mehr. Ich trage zwei Hörgeräte, sehr moderne Hörgeräte, mit vielen Einstellmöglichkeiten und einer Fernbedienung. In geschlossenen Räumen komme ich noch einigermaßen zurecht. Aber in einer Werkstatthalle verstehe ich kaum noch etwas.

Lies auch:

Hören in Catagena 2004
Bogota Dezember 2001
Motorsportarena Oschersleben

 

Hören in Cartagena de Indias 2004

Hören in Cartagena de Indias 2004

Hören in Cartagena Blick auf die Stadt
Hören in Cartagena
Blick auf die Stadt

Einladung nach Cartagena

Im Frühling des Jahres 2004 fliegen wir, meine Frau und ich, erneut nach Kolumbien. Wir wurden vom kolumbianischen Außenhandels Ministerium zu einer mehrtägigen Veranstaltung eingeladen.  Ziel dieser Veranstaltung ist es, deutsche Import- Exportfirmen mit kolumbianischen Exporteuren an einen Tisch zu bringen. Hier können sich kolumbianische Firmen präsentieren, die Importpartner in Deutschland suchen.

Wir fliegen von Paris aus nach Bogota, treffen uns dort mit meinem Geschäftspartner und fliegen dann weiter nach Cartagena de Indias – einer von den Spaniern angelegten Festung in der Karibik. Heute ist Cartagena eine Millionenstadt in Kolumbien mit einer historischen Altstadt.

Das Hotel in dem wir übernachten liegt auf einer Landzunge direkt am Meer. Das Klima ist im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend. Sehr hohe Luftfeuchtigkeit und große Hitze – Waschküche.

Seit 18 Monaten beidseitig Hörgeräte

Seit ca. 18 Monaten trage ich zwei Hörgeräte – das am linken Ohr mit besonderer Stärke. Ich bilde mir ein, den Herausforderungen der Tagung, mit vielen Gesprächen, gewachsen zu sein.

Herausforderung für mein Hören

Hören in Cartagena Blick auf die Festung
Hören in Cartagena
Blick auf die Festung

Der Ablauf ist von den Veranstaltern so geregelt, dass jeder deutschen Firma für die drei Tage der Tagung, bestimmte kolumbianische Firmen zugeordnet werden, die genau nach Plan an unseren Tisch kommen, um ihre Produkte vorzustellen.

Die von meinem Geschäftspartner zugesicherte Dolmetscherin für Spanisch ist bis jetzt nicht erschienen.

Das sind die Situationen, die ich liebe. „Nun musst du selbst da durch“ kann dann nur noch die Devise lauten. Zum Glück ist meine Frau dabei, sie hört besser und kann auch besser englisch. Wir beschließen in Englisch zu verhandeln. Die Kolumbianer gehen sowieso davon aus englisch zu reden – sie sprechen allerdings sehr viel besser englisch als ich. Na prima.

Deutsche Pünktlichkeit 

Unsere ersten Gäste stehen schon an unserm Tisch, als wir dort ankommen. Man hatte ihnen eingeschärft, „die Deutschen sind immer pünktlich und legen Wert auf Pünktlichkeit.“

Wir kommen irgendwie zurecht. Ich stelle fest, dass es für mich noch schwerer ist, eine andere Sprache zu verstehen, als die Muttersprache. Außerdem merke ich, dass mir das Hörgerät auf der linken Seite fast nichts bringt. Mein Gehör dort ist einfach zu schlecht. Dank meiner Frau begreife ich, was die freundlichen Menschen anbieten und besprechen wollen.

Hören in Cartagena 

Meine Hörtechnik versagt in dieser Situation – nicht technisch, sondern in meiner Wahrnehmung.

Antworten versuche ich den Geschäftsleuten selbst zu geben. Wir hangeln uns durch und sind am Spätnachmittag völlig fertig, fühlen uns aber, wie nach einer geschlagenen Schlacht – nicht als Sieger aber auch nicht als Verlierer.

Am nächsten Tag ist die Dolmetscherin da – eine deutsche Spanisch-Studentin, die in unserer Niederlassung in Bogota ein Praktikum absolviert hat. Jetzt geht es lockerer. Ich kann deutsch sprechen und sie übersetzt ins Spanische.

Schöne Altstadt

Hören in Cartagena Befestigungsanlagen
Hören in Cartagena
Befestigungsanlagen

Na ja, wir bringen die Tagung hinter uns, lauschen den Schlussworten des kolumbianischen Präsidenten, Álvaro Uribe Vélez, und besichtigen die Sehenswürdigkeiten der alten Stadt Cartagena. Ich sehe zum ersten Mal Kolibris in freier Natur, direkt vor dem Hotel an blühenden Sträuchern. Als Höhepunkt bietet uns das Außenhandelsministerium noch ein rauschendes Fest in historischer Kulisse – mitten in der Altstadt.

Hören in Cartagena Altstadt
Hören in Cartagena
Altstadt

Endlich kommt es nicht mehr wirklich darauf an, was ich höre und verstehe. Da kann ich entspannen. Abschließend stelle ich fest, mit meinen Hörgeräten komme ich nicht zurecht, wenn es darauf ankommt. Sie sind aber noch jung – so schnell gibt es keine anderen.

Cartagena als Stadt erhalte ich in guter Erinnerung – die Stadt ist sehenswert.

Siehe auch:
Bogota Dezember 2001

 

Bogotá, Dezember 2001

Bogotá, Dezember 2001

historischer Platz in Bogotá
historischer Platz in Bogotá

Schwerhörigkeit beeinträchtigt Arbeitsqualität

In dem Bewusstsein, zunehmend schwerhöriger zu werden, ist mir klar, auch mit einer Beeinträchtigung meiner Arbeitsqualität rechnen zu müssen. Gerade meine Tätigkeit als frei beruflicher Trainer und Seminarleiter erfordert nicht nur gut vorbereitet zu sprechen, sondern auch sehr gut zu hören, zu verstehen, was meine Teilnehmer sagen.

Diese Situation veranlasst mich, mich mehr und mehr nach Alternativen umzusehen.

Rinderwahn – Alternative

So bin ich schnell überzeugt, als ein Kollege, mit dem ich schon einige Jahre im Seminargeschäft zusammenarbeite, mir über seine Pläne und bereits begonnenen Vorbereitungen für ein Export- und Importunternehmen erzählt.

Deutschland beschäftigt sich gerade mit dem Rinderwahn, wir befinden uns in der BSE Krise. Der Verkauf von Rindfleisch geht stark zurück. Am Fleischmarkt in Deutschland besteht der Bedarf nach gutem unverfälschtem Rindfleisch. Kolumbien bietet hierfür viele Voraussetzungen. Und so hat der Kollege bereits auch in Bogotha, Kolumbien eine Gesellschaft gegründet.

Für mich bieten sich verschiedene Möglichkeiten, meine Fähigkeiten und Kenntnisse einzubringen.

Vorweihnachten in Bogotá
Vorweihnachten in Bogotá

Bogotá

So kommt es dazu, im Dezember 2001 mit ihm und zwei weitern Herren, einem Herrn aus Panama, der als Übersetzer dient und einem Herrn aus der Fleischbranche,  nach Bogotá zu fliegen. Bogotá liegt auf etwa 2500 m Höhe in den Anden.

Blick auf Bogotá
Blick auf Bogotá

Rinder in Kolumbien

Ich schreibe hier ja keinen Reise- und Erlebnisbereicht sondern zur Entwicklung meiner Schwerhörigkeit. Aber soviel doch hier zu den Rindern in Kolumbien: Pro Rind stehen im Schnitt ca. 1,7 Hektar Weidefläche zur Verfügung. Die Rinder leben das ganze Jahr über im Freien und kennen keinen Stall. Sie fressen ausschließlich das Gras der Weiden in den Tiefebenen am Magdalena Strom. Fleischkenner schmecken das sofort.

Schwindel und mehr

Im Rahmen dieses Aufenthaltes in Bogotha stand auch ein Besuch bei einem Fleisch Zerlegebetrieb auf dem Programm. Meine Aufgabe war es, die einzelnen Zerlege Schritte eines Rindes zu fotografieren.

Mein Drehschwindel (siehe dazu meinen Beitrag Morbus Meniere ) aus dem Jahr 2000 war längst vergessen. Aber während dieses Vorgangs merkte ich einen Anflug von Schwindel und Übelkeit.

Die ungewohnte Höhe und das Klima, vielleicht aber auch das viele Fleisch können der Auslöser sein – ich weiß es nicht. Schnell lege ich die Kamera weg und gehe ins Freie.

"Fleisch Mafia"
„Fleisch Mafia“

 

Draußen erlebe ich dreierlei Wahrnehmungen, erstens, mein Schwindelanflug verschwindet langsam, zweitens, ich verspüre Knackgeräusche im Ohr – in welchem ist unklar und drittens kann von frischer Luft keine Rede sein. Bogotá liegt zwar hoch in den Anden, ist aber eine Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern und einer ebenso gefühlten hohen Zahl von Autos. Die Atemluft erinnert an Deutschland vor der Einführung des Katalysators – nur um ein Vielfaches verstärkt. Katalysatoren scheinen hier unbekannt.

Dennoch geht es mir schlagartig wieder gut. Irgendetwas ist in den Ohren geschehen. Schnell eile ich zurück zu meinem Foto Job, den ich dann auch zu Ende bringe.

Besser hören in Bogotá

Die anschließenden Gespräche in den Büroräumen verstehe ich besser. Ich scheine besser zu hören. Spielt da die Höhe in den Anden eine Rolle?  Auch einige Tage später hält diese Situation weiter an. Während eines Gesprächs beim Rinderzüchter Verband des Landes verstehe ich nicht nur die Übersetzung von unserem Mitreisenden Luis recht gut, selbst das Spanisch des Verbandsvorsitzenden glaube ich dem Sinn nach zu begreifen. Schnell wird klar, dass er viel spricht aber nichts sagen will.

Mit meinem Gehör bin ich plötzlich zufrieden.

Leider wieder vorbei

Leider geht diese Reise sehr schnell wieder zu Ende. Schon im Flugzeug merke ich die erneute Veränderung in den Ohren. Wieder in Deutschland angekommen, ist alles wieder wie zuvor. Ich höre schlecht und verstehe noch schlechter.

Eine Auswanderung nach Kolumbien steht dennoch nicht zur Diskussion.

Siehe auch:
Cartagena de Indias 2004

Morbus Menière

 Morbus Menière

Drehschwindel
Drehschwindel

Gera 2000

Heute ist mein letzter Tag einer mehrwöchigen Tour mit immer gleichen eintägigen Schulungseinheiten im Auftrag eines Automobilfabrikats. Seit etwa acht Wochen bin ich in Deutschland unterwegs, jeden Tag an einem anderen Ort, jede Nacht in einem anderen Hotel. Unterbrechungen gibt es nur an einigen Wochenenden. Heute bin ich in Gera. Den Tagesablauf kenne ich inzwischen sehr genau, alles läuft zigfach eingeübt, Jeder Satz wurde Tag für Tag gleich formuliert, für jede Frage habe ich jetzt eine Antwort.

Nix wie hemm

Bisher war es ein heißer Sommer im Jahr 2000. Auch heute herrscht wunderbares Sommerwetter. Ich beeile mich, fertig zu werden. Ich will heim – heim auf meine Terrasse mit einem Glas Rotwein.

Endlich bin ich fertig, Equipment abbauen, alles im Auto verstauen und los auf die Autobahn – die ist inzwischen neu ausgebaut und noch herrscht wenig Verkehr. Kurz vor dem Hermsdorfer Kreuz fahre ich in eine Radarkontrolle, obwohl ich die Vorwarnung im Radio gehört hatte.

Es ist Sommer und lange hell, noch bei spätem Sonnenschein komme ich zu Hause an. Die Terrasse ist schon belegt. Da sitzt Besuch. Es wäre unfair, die Menschen, die uns besuchen, für die Folgen verantwortlich zu machen, doch sie haben mich in meinem Wunsch nach Entspannung gestört. Na egal, wenigstens trinken wir noch ein Glas Rotwein. Doch ich trinke zurückhaltender als sonst. Irgendwas stimmt nicht. Der Wein schmeckt mir nicht. Ich nehme mich zurück und halte mich ruhig.
Über Besuch freue ich mich sonst immer – heute bin ich froh, dass die Leute endlich gehen.

Drehschwindel

Wir wollen zu Bett gehen. Während es Ausziehens überfällt es mich plötzlich. Schwindel – in einer bisher nie erlebten Intensität – Schwindel. Alles dreht sich. Schnell setzte ich mich auf die Bettkante und merke, dass ich meine Position nicht mehr verändern kann, ohne den Schwindel zu verstärken. Brechreiz, ich bin mir unsicher ob es Brechreiz ist, ich kann mich nicht bewegen. Nur mit einem T Shirt bekleidet sitze ich da und kann nichts verändern. Gerne würde ich noch eine Hose anziehen, aber es geht nicht.

Morbus Menière
Morbus Menière

So sitze ich da in einer wenig bequemen Haltung auf der Bettkante – vielleicht eine halbe Stunde oder länger. Meine Frau versucht alles Denkbare für mich zu tun. Es hilft nichts- Schließlich ruft sie unseren Hausarzt an, er wohnt im Dorf und er nimmt auch noch um diese Zeit das Telefon ab.

Er kommt umgehend, meine Lage – meine Sitzhaltung –ist unverändert. Er hat den einen oder anderen Verdacht, kommt aber nicht weiter. Schließlich fordert er Notarzt und Rettungswagen an. Dieser Tag scheint für mich gelaufen.

Krankenhaus

Ich erwache im Krankenhaus in Wadern in einem Vierbettzimmer. Mein Bettnachbar bemerkt mein Erwachen und erklärt mir sofort die Welt, seine Zuckerkrankheit mit allen Details der medikamentösen Einstellung und fügt auch gleich seine Einschätzung über die Qualität der Ärzte sowie der Schwestern und Pfleger hinzu.

Meine Frau kommt, ich werde in ein anderes Zimmer verlegt. Nach kurzer Zeit fühle ich mich wieder ganz gut, etwas matt aber ohne Schwindel.

Die folgenden Tage vergehen mit Infusionen, Spritzen, Spaziergängen mit meinem Zimmernachbarn und Untersuchungen. Ich kann wieder ganz normal gehen und mich bewegen.

Caesar ante portas     

Für einen Besuch beim örtlichen HNO Arzt, kommt aber die Besatzung eines Krankenwagens mit einer Trage. Sie wollen mich zum Arzt bringen. Nach einigen Diskussionen nehmen sie einen Tragestuhl um mich zu transportieren. Da ich genauso gut gehen kann, komme ich mir sehr seltsam vor. Es ist eigentlich eine Lachnummer. Aber Vorschrift ist Vorschrift – da fällt mir mein Übertreten der Geschwindigkeitsbeschränkung vor dem Hermsdorfer Kreuz gestern ein. Leere und neue breite Autobahn, strahlender Sonnenschein, Tempo 100 – Vorschrift ist Vorschrift.

So richtig lächerlich wird es dann beim Zugang zum HNO Arzt. Der ist nur über eine lange und etwas steile Außentreppe, die in das Obergeschoss des alten Gebäudes führt, zu erreichen. Meine beiden Träger, ein junger Mann und eine etwa gleichaltrige Frau schleppen mich diese Treffe hinauf, die ich locker hätte gehen können. Früher habe ich gerne Asterix Comics gelesen. Jetzt kommt mir daraus ein Bild in den Sinn, Caesar wird durch ein Stadttor von Rom getragen. Einige Passanten sind erstaunt, weil ich ihnen zuwinke.

Der Arzt macht die üblichen Tests und entlässt mich wieder. Ich bitte ihn, den Trägern zu sagen, dass ich auch selbst gehen kann. Das hilft. Ich darf auf eigenen Füßen und mit eigenen Kräften die lange Treppe hinunter und auch im Krankenhaus wieder auf mein Zimmer gehen.

Wanderungen 

Mein Zimmernachbar und ich unternehmen inzwischen schon kleine Wanderungen in der Umgebung. Schließlich scheint die Sonne und irgendwie muss ja die Zeit vergehen.

Beide werden wir auch noch ins Partnerkrankenhaus nach Saarlouis zum MRT gefahren.

Um es kurz zu machen. Weder die Untersuchungen Im Krankenhaus und die beim HNO Arzt noch das MRT führen zu einem Ergebnis. Ob es nun wirklich ein Morbus Menière war oder ein naher Verwandter bleibt offen.

Tinitus

Das einzige für mich deutlich merkbare Ergebnis ist mein Tinitus. Ob durch den Drehschwindel oder das MRT ausgelöst, weiß ich nicht. Ich beschließe diesen Pfeifton zu ignorieren, ihm keine Beachtung zu schenken. Das gelingt.

Motorsport Arena Oschersleben

 

Motorsport Arena Oschersleben

Herbst 2002

Herbst 2002 – ich werde als Trainer für eine Produktneueinführung von zwei neue Fahrzeugmodellen eines europäischen Automobilherstellers engagiert. Da es ein großes Projekt ist, sind außer mir noch mindestens 10 weitere Kollegen mit beteiligt. Seit kurzer Zeit trage ich zwei Hörgeräte, die ich mit einer Fernbedienung steuern kann. Ich bilde mir ein, den Herausforderungen einer solchen Veranstaltung gewachsen zu sein.

Rennstrecke in Oschersleben
Rennstrecke in Oschersleben

Veranstaltung im Zelt

Zwei neue Fahrzeuge bedeutet auch doppelte Anzahl von Räumen, in denen Präsentationen und Workshops stattfinden. Das ganze Spektakel findet im Hotel an der Rennstrecke von Oschersleben statt. Da die Räumlichkeiten im Hotel nicht ganz ausreichen, wurde neben dem Hotel, direkt an der Rennstrecke ein großes Zelt errichtet. In diesem Zelt findet die Hauptpräsentation eines der beiden Neufahrzeuge vor großem Publikum statt. Teilnehmer sind die Händler und deren Verkaufs Mitarbeiter.

Startveranstaltung an der Rennstrecke

Ich habe das Vergnügen, die Startveranstaltung im großen Zelt zu eröffnen. Es ist mein erster Einsatz mit den beiden Hörgeräten. Dieser Herbst ist schon recht kalt. Im Zelt läuft eine geräuschvolle Gebläseheizung. Damit die erzeugte Wärme nicht so schnell durch die Zeltwände verloren geht, sind diese provisorisch mit Holzplatten verkleidet. Daran lassen sich auch leichter Werbeplakate anbringen. Dass im Allgemeinen Wärme nach oben steigt und durch das dünne Zeltdach abzieht, passt nicht ins Konzept.

Die Rennstrecke von Oschersleben ist ständig von irgendwelchen Gruppen, für Trainings oder nur zum Spaß, belegt. Da fahren Motorradgruppen, aufgemotzte Personenwagen, amerikanische Zehn Zylinder Fahrzeuge ohne Auspuff, und auch mal Renntrucks.

Selbstsicherheit 

Meine Selbstsicherheit nimmt schon ein wenig Schaden durch die Dauerbeschallung der Gebläseheizung. Dennoch muss ich jetzt anfangen. Job ist Job. Mit einer Begrüßung der Teilnehmer beginne ich und leite über zum neuen Fahrzeug, das selbstverständlich auch im Zelt steht. Kaum komme ich zu den wesentlichen Merkmalen des neuen Automobils und den Veränderungen gegenüber dem Vorgängermodell geht es los …

Ich bin kein Motorsportfan und deshalb in diesem Thema völlig unbedarft. Auch habe ich keine Freude daran, wenn Autos unangemessen laut sind – ich kenne Leute, die ausflippen, wenn sie den besonderen Sound von bestimmten Fahrzeugen hören – doch damit hatte ich nicht gerechnet.

Zehn Zylinder Boliden

Diese riesigen amerikanischen Zehn Zylinder Fahrzeuge werden direkt neben mir, nur getrennt durch die Holzplatte und die dünne Zeltwand, gestartet. In geschätzten fünf Meter Abstand lassen die Fahrer die Motoren warm laufen. Anfangs durch ein ständig auf- und abschwellendes Aufheulen des Motors und dann mit vermutlich durchgetretenem Gaspedal. Bei diesen Fahrzeugen wird auf eine Geräusch dämmende Auspuffanlage verzichtet. Überflüssig. Schließlich fahren sie los um in regelmäßigen Abständen wieder vorbei zu donnern.

Boliden im Hirn in Oschersleben
Boliden im Hirn in Oschersleben

Guter Ruf dahin

Bis zu diesem Ereignis genoss ich bei diesem Automobil Fabrikat einen guten Ruf als Trainer und Moderator. Dieses Ereignis sorgt dafür, dass sich das ändert. Die Auftraggeber sitzen mit im Zelt.

Meine beiden Hörgeräte verstärken diesen Lärm so stark, dass es sich anfühlt, als würden diese Boliden direkt durch mein Hirn fahren. Diese Situation kommt so unerwartet über mich, wie ein Überfall.  Ich habe die Eröffnung und meine Moderation irgendwie zu Ende gebracht. Aber meine Souveränität, meine Qualität ist dahin – zumindest für heute.

Früher hätte ich eine solche Situation locker gemeistert und spontan reagiert. Doch heute ist mein erster Einsatz mit Hörgeräten.

Siehe auch „Plötzlich geht es nicht mehr“

 

 

Plötzlich geht es nicht mehr

Plötzlich geht es nicht mehr

plötzlicher Abbruch des Hörens
plötzlicher Abbruch des Hörens

Berlin 2002

Im Januar 2002 beginne ich ein Kommunikations-Training in Berlin. Teilnehmer sind Mitarbeiter einer Mobilfunk Gesellschaft.

Schon beim Aufwachen im Hotel spüre ich, dass etwas nicht richtig ist heute. Pflichtgemäß fahre ich an den Veranstaltungsort und beginne mir meinem Trainingsprogramm.

Trainings Abbruch

Sehr rasch merke ich, dass ich die Teilnehmer nicht vollständig verstehe. Ich reagiere unsicher und gebe falsche Antworten. Kurz – ich bin unfähig diese Veranstaltung durchzuführen und die Teilnehmer sind verärgert. Dieses Training muss ich abbrechen. Ende

Völlig frustriert reise ich zurück, nach Hause. Die folgenden Tage fühle ich mich deprimiert – obwohl das sonst nicht meiner Mentalität entspricht.

Wie soll es weitergehen?

Zunächst bin ich damit beschäftigt, mit meinem Auftraggeber klar zu kommen. Das ist natürlich mit einer finanziellen Einbuße verbunden. Aber wie sind die Aussichten auf weitere  Aufträge insgesamt? Wie gehe ich mit anderen Auftraggebern um, die mit mir rechnen? Das beschäftigt mich sehr. Schließlich hängt davon mein Einkommen ab.

Nach ein paar Wochen scheint es wieder besser zu gehen – ich glaube wieder besser zu hören. Durch einige weitere Seminare und Trainings hangele ich mich so dahin. Nach meinen Qualitätskriterien ist das gerade noch so vertretbar. Aber ich merke meine Schwierigkeiten deutlich. Vorgehensweisen und Trainingsmethoden auf die ich bisher ein wenig stolz war, lasse ich weg. Da wäre feines Hörvermögen erforderlich. Ich stelle mein Programm um – das funktioniert, macht es aber nicht besser.

Die ersten Hörgeräte

Mein erstes Hörgerät
Mein erstes Hörgerät

Im Herbst 2002 gehe ich zum ersten Mal zu einem Hörgeräte Akustiker. Der verpasst mir nach einigen Tests zwei Hörgeräte. Dazu eine Fernsteuerung (leider noch keine Cross Lösung).Was sich im Hörstudio gut anhört und anfühlt ist leider außerhalb dieser geschlossenen „Welt“ plötzlich ganz anders. Eine laute Welt bricht quasi über mich herein. Sofort gehe ich noch einmal zurück und bemängele diese Situation. Der Akustiker bittet mich, es erst einmal ein paar Tage mit dieser Einstellung zu versuchen. Das mache ich dann auch. Ich bin nicht wirklich zufrieden.

Im Laufe meiner Schwerhörigkeit habe ich die Schwierigkeit verstanden, mit der jeder neue Träger von Hörgeräten zu kämpfen hat. Diese Schwierigkeit besteht ja nicht nur für den Hörgeräte Träger sonder auch für den Akustiker. Oft werden die Hörgeräte als unangenehm schrill oder laut empfunden oder aber, die Träger bemerken keinen Unterschied zur bisherigen Situation.

Die Bedeutung des Anpassungsraums

Hierbei spielt die Gestaltung des Testraumes eine entscheidende Rolle. Einerseits soll und muss der Raum, in dem Hörgeräte angepasst werden, möglichst frei von Außen- und Nebengeräuschen sein, andererseits muss ein Hörgerät ja im wirklichen Leben getragen werden, also auch dort eine Hilfe sein. Es ist für alle Beteiligten eine Gratwanderung. Nach einigen weiteren Versuchen, meine Geräte optimal einzustellen, habe ich den Hörgeräte Akustiker gewechselt. Der Wechsel erfolgte nicht, weil ich mit den Fähigkeiten des Personals nicht einverstanden gewesen wäre.

Erst beim anderen Akustiker mit anderen Räumlichkeiten, wurde mir der Unterschied klar. Doch das ist bereits vorausgegriffen.

Wie es mir mit meinen beiden neuen Hörgeräten erging, berichte ich in einem gesonderten Beitrag. Hörgeräteträger wissen wie alltagstauglich sie ohne und mit Hörgeräten waren oder sind. Sie können sich wahrscheinlich denken, wie es weitergeht.

weiter: Motorsport Arena Oschersleben

 

Hör-Karriere im Beruf

Hör-Karriere im Beruf

Stuttgart 1985

Dieses Foto von Stuttgart wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

Seit Anfang 1985 arbeite ich in Stuttgart. Da hatte ich in den sechziger Jahren schon einmal gearbeitet –ich kenne mich dort aus.

Jetzt also wieder. Dieses Mal wurde ich von meinem Arbeitgeber hierhin versetzt. Mein Zuständigkeitsbereich ist nun ganz Deutschland. Mehr reisen, mehr Autobahn, aber bei geschlossenem Seitenfenster. Somit ist es ruhig im Fahrzeug. Das Rauchen hatte ich im November 1984 aufgegeben. (siehe „Rauchen im Nichtraucherfahrzeug“) Die Ruhe ist ein Segen für mein linkes Ohr.

Telefon mit Hörverstärker

Am neuen Arbeitsplatz wird mir ein Telefon mit Hörverstärker angeboten. Diese Möglichkeit nehme ich gerne wahr.
Inzwischen hat meine Schwerhörigkeit auf dem linken Ohr das Stadium erreicht, in dem ich – selbst mit Hörverstärker – links nicht mehr gut telefonieren kann. Es entstehen Missverständnisse. Also muss ich etwas in meinen Gewohnheiten verändern.

Die meisten Rechtshänder halten den Telefonhörer mit der linken Hand ans linke Ohr und machen sich mit der rechten Hand Notizen. Das habe ich bis dahin auch gemacht. Es ist einfach praktisch.

Leidensgenossen kennen das natürlich. Da ich nun links aber nur noch schlecht verstehe, halte ich mit der linken Hand den Hörer ans rechte Ohr. Dabei bedarf es eines gewissen Trainings, damit der linke Arm nicht vor dem Gesicht im Weg ist.

Ich kann noch gut folgen

Normalen Gesprächen – so von Mensch zu Mensch – kann ich noch gut folgen und kann mitreden. Beruflich muss ich jetzt mehr und mehr Seminare und Veranstaltungen leiten. Dazu gehört außer der Fähigkeit zu sprechen auch gutes Hören. Ich komme in diesen Situationen mit meinem Gehör noch relativ gut zurecht. Mein rechtes Ohr schafft da noch ganz gut den Ausgleich.

Schwerhörigkeit stabilisiert sich

Meine Schwerhörigkeit im linken Ohr scheint sich zu stabilisieren – in einem für mich erträglichen Rahmen. Ich habe den Eindruck, dass es nicht schlechter wird. Als Optimist gehe ich davon aus, dass das so bleibt. Vielleicht sind Optimisten naiv.
Einige Jahre kann ich gut weiterarbeiten. Es interessiert mich, was Pessimisten zu diesem Zeitpunkt erwarten.

Wohnort im Saarland 1988

Schwerhörig im Saarland
Schwerhörig im Saarland

Ich mache mich selbständig, als Seminarleiter und Personaltrainer. Meine Schwerpunkte sind Unternehmens- bzw. Bereichsentwicklung sowie Training im Kommunikations- und Verhaltensbereich. Außerdem authentische Rhetorik. Alles erfordert gutes Hören. Die meisten Teilnehmer verstehe ich gut, sie geben sich in diesem Themenfeld ja auch besondere Mühe.

Bei den wenigen Teilnehmern, die zu leise sprechen oder undeutlich nuscheln, frage ich nach – wenn nötig auch mehrfach. In diesem Themenbereich „Sprechen und Kommunikation“ bin ich als Trainer ja geradezu genötigt, den Leisen und den Nuschler darauf hinzuweisen, dass an der Sprache und Aussprache gearbeitet werden muss.

Schwerhörigkeit als Trainingsmethode

Somit funktioniert die Arbeit in diesem Bereich recht gut. Ich kann es mir erlauben, darauf hinzuweisen, nicht sehr gut zu hören (was gelinde gesagt untertrieben ist), dass aber jeder im Beruf so deutlich sprechen muss, dass auch ein schlecht hörender Mensch versteht, was gesagt wird. Manche Teilnehmer interpretieren das lediglich als Trainingsmethode, um undeutlich sprechende Mitmenschen dazu zu bewegen, deutlich zu sprechen. Mir soll das recht sein.

Oft stelle ich die Frage „ warum sprechen wir überhaupt?“ Die richtige Antwort kann nur sein „damit mich andere Menschen verstehen und begreifen können was ich sage.“

Alles andere ist „in den Wind gesprochen.“

Verstehen wird schwerer

In den neunziger Jahren übernehme ich für Automobil Fabrikate die Konzeption und Umsetzung zur Einführung neuer Automobile am Markt. Dazu müssen vorrangig die Händler und deren Verkäufer geschult werden. In diesen Veranstaltungen, in großen Gruppen, nehme ich verstärkt Schwierigkeiten beim Hören wahr. In Pausen, wenn alle herumstehen, Kaffee trinken und in Brötchen beißen, verstehe ich immer weniger.

Dialekte verstehen

Im Rahmen meiner Tätigkeit  komme ich durch den gesamten deutschen Sprachraum. Bisher hatte ich mir eingebildet, alle deutschen Dialekte zu verstehen. Doch Veranstaltungen in manchen Regionen bringen mich jetzt an Grenzen. Inzwischen habe ich große Probleme, Ostsachsen und Menschen aus der Steiermark zu verstehen – und leider auch einige meiner Nachbarn.

Ich versuche mich so durchzumogeln.

Siehe auch:
Schwerhörig 1974
Augsburg 1977 – Nasenscheidewand
Ulm 1982 – Apollinris
Rauchen im Nichtraucherfahrzeug

Übersicht aller Beiträge

 

 

Rauchen im Nichtraucherfahrzeug

Rauchen im Nichtraucherfahrzeug

Reisetätigkeit und Rauchverbot

hör geschädigt durch Rauchverbot
hör geschädigt durch Rauchverbot

Von 1972 bis 1985 hatte ich eine Tätigkeit mit regelmäßigen Fahrten zwischen den Städten München, Augsburg, Ulm und Ravensburg. Wöchentlich fuhr ich diese Städte an – dazu hatte ich einen Dienstwagen zur Verfügung. In diesen Fahrzeugen galt striktes Rauchverbot. Das hatte auch seinen logischen Grund. Wöchentlich fuhr ich fast tausend Kilometer. Mit ungefähr 10.000 Kilometern wurde das von mir genutzte Fahrzeug verkauft und ich erhielt einen neuen Wagen. Ein nach Rauch riechendes Auto im einen Alter von nur wenigen Monaten, lässt sich kaum verkaufen.

Das Dumme an dieser Sache war die Tatsache, dass ich ein leidenschaftlicher Raucher war. Schon direkt zum Frühstückskaffee rauchte ich meine erste Zigarette und die letzte dann abends kurz vor dem Zähneputzen. So kamen im Laufe des Tages schon bis zu achtzig Zigaretten zusammen.

Wenn ich dann täglich so circa 2 Stunden und mehr im Auto verbrachte, hielt ich es damals für eine Zumutung, in dieser Zeit nicht rauchen zu dürfen. Deshalb erfand ich einen Ausweg, der vermutlich mit dafür verantwortlich war, dass mein Gehör sich verschlechterte – vor allem mein linkes Ohr.

Rauchen mit geöffnetem Fenster

Ich rauchte trotz Verbot im Nichtraucherfahrzeug. Das jedoch nur während der Fahrten auf der Autobahn – ich hatte bei meinen Fahrten je nach Ziel bis zu 90 % Autobahnanteile.

Das Fenster auf der Fahrerseite, also das linke Seitenfenster öffnete ich immer so etwa fünf Zentimeter. So entstand während der Fahrt ein Sog nach außen. Die Asche der Zigarette klopfte ich vorsichtig in den Aschenbecher. Die Kippe warf ich dann immer elegant aus dem Autofenster – das würde ich heute natürlich nicht mehr machen. Vor jeder Ankunft am Zielort, nahm ich den Aschenbecher aus der Halterung und kippte die lose Asche heraus, anschießend blies ich den Aschenbecher noch aus.

Diese Methode hat während all der Jahre funktioniert. An meinem Heimatarbeitsplatz Augsburg gab ich das Fahrzeug regelmäßig ab zum Tanken und zum Waschen. Es hat niemals jemand bemerkt, dass ich geraucht hatte. Selbst mein Chef – ein fanatischer Nichtraucher – hatte einmal kurzfristig mein Fahrzeug benutzt. Er hat nichts bemerkt. Somit war ich meiner Sache immer sicherer.

Schwerhörig durch Lärm

Nun kann sich jeder Autofahrer vorstellen, welcher Lärm entsteht, wenn während der Fahrt auf der Autobahn, das Fenster ein wenig geöffnet ist. Die Hauptlärmquelle war direkt neben meinem linken Ohr.

Dauerlärmbelästigung schädigt das Gehör. Ich denke, dass ich das

schwerhörig durch rauchen
schwerhörig durch rauchen

damals intellektuell auch schon erfasst haben könnte – vermutlich habe ich diese Erkenntnis aber gekonnt verdrängt.

Neben anderen Ursachen meiner Schwerhörigkeit, war mein unvernünftiges Verhalten damals sicher stark mitverantwortlich für die Entwicklung meiner Schwerhörigkeit am linken Ohr.

Seit November 1984 rauche ich nicht mehr – aber manchmal träume ich noch vom Rauchen.

Siehe auch:
Schwerhörig 1974
Augsburg 1977 – Nasenscheidewand
Ulm 1982 – Apollinris
Hör-Karriere im Beruf

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