Ulm 1982 – Apollinaris

Ulm 1982 – Apollinaris

Ulm

Seit wenigen Jahren wohne ich im Raum Ulm. Ulm ist eine sehr sympathische Stadt. Die Stadt hat ein bisschen von allem, mit viel Flair und guter Stimmung – zumindest in den Achtzigern.
Ulmer Münster, Tourismus, Altstadt, Studentenkneipen, gutes Essen und Vieles mehr – Ulm hat von allem etwas und davon nie zu viel.

Hören in Altstadtkneipen

Besonders in den schönen Altstadtkneipen machte mir mein schlechtes Gehör zu schaffen. Männern sagt man nach, sie leiden lieber anstatt zum Arzt zu gehen, neigen aber dazu ihr Leiden wie ein Banner vor sich herzutragen. Nun, so blieb es auch bei mir nicht aus, dass meine Mitmenschen von meiner Schwerhörigkeit erfuhren und mir auch umgehend Ratschläge erteilten. „Geh doch mal ins XX Krankenhaus. Die haben eine gute HNO Abteilung.“


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HNO Abteilung 

Mit diesen guten Empfehlungen versehen, habe ich mich in der Klinik angemeldet und wurde dort anschließend fast zwei Tage lang untersucht und getestet. Das alles wirkte auf mich sehr professionell. Am dritten Tag hatte ich einen Gesprächstermin beim leitenden Arzt dieser Abteilung.

Abschlussgespräch

Er beschrieb noch einmal alle durchgeführten Test und kam dann zum Ergebnis. „Sie hören links sehr schlecht und mit dem rechten Ohr auch schon eingeschränkt“ waren etwa seine Worte. Die ebenfalls genannten konkreten Daten der Hörstärken und Frequenzbereiche habe ich längst vergessen. „Gut“ meinte ich, „das wusste ich bereits, es ist der Grund weshalb ich zu Ihnen gekommen bin. Was können wir jetzt dagegen machen?“ „Dagegen können wir in Ihrem Fall nichts weiter machen“ meinte er. „Vielleicht kann man es mal in ein paar Jahren mit einem Hörgerät links versuchen. Aber wirklich tun können wir derzeit nichts.“

Bei diesem Gespräch war ein weiterer Arzt, es war der Oberarzt, mit anwesend.

Nebenthema Nase

Außer meinen Hörproblemen hatte ich damals auch mit ständigem Schnupfen – leider noch nicht als Allergie identifiziert – zu kämpfen. Deshalb sprach ich dieses Thema auch noch kurz an. Diverse Nasensprays hatte ich bereits benutzt, aber auch wieder abgesetzt. Ich wollte nicht davon abhängig werden.
Doch dazu wollte mir mein Gesprächspartner keinen Rat geben, es wären neue Untersuchungen dazu erforderlich gewesen. Und so endete unser Gespräch.

Empfehlung

Beim Rausgehen begleitete mich der Oberarzt und nahm mich kurz zur Seite. „Unser Chef ist noch ganz neu hier. Unser bisheriger Leiter hat sich als Arzt niedergelassen. Gehen Sie doch mal dahin“ flüsterte er mir zu. Er gab mir Namen und Adresse und verschwand dann schnell und unauffällig. Illoyalität mag ich nicht – vielleicht war dieser Herr noch zu loyal mit dem Vorgänger.
Zeitlich konnte ich es gut einrichten, also meldete ich mich bei diesem HNO Arzt an.


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HNO Arzt

In der Sprechstunde erklärte ich, wer mich geschickt hatte sowie meine Ohren und Nasen Probleme. Seine Aussage zu den Ohren konnte ohne eigene Untersuchung nur oberflächlich sein. Er bestätigte, dass das Krankenhaus in Ulm gute Arbeit leistet  – das hatte ich auch nichts anderes erwartet.

Apollinaris

Zu meinem Schnupfen riet er mir wie folgt: „Ich schreibe Ihnen ein Nasenspray auf – dieses Spray empfehle ich nur deshalb, weil die Flasche eine gute Funktion hat und wieder auffüllbar ist. Den Inhalt gießen Sie bitte ins Waschbecken. Dann füllen Sie diese Flasche mit Apollinaris oder anderem salzhaltigen kohlensäurearmen Mineralwasser auf. Das benutzen Sie bitte als Nasenspray. Sie benötigen davon etwas mehr als von anderen Sprays, aber Sie schädigen Ihre Nase nicht weiter.“  Mit diesem guten Rat und einem Rezept verließ ich diesen Arzt – den Rat habe ich immer wieder mal befolgt. Besser hören konnte ich aber immer noch nicht.

Damals stellte ich mir die Frage, wovon dieser Mann lebt, wenn er alle Patienten mit solchen Ratschlägen fortschickt. Der Rat war damals gar nicht so schlecht – für meine Allergie.

Siehe auch:
Schwerhörig 1974
Augsburg 1977 – Nasenscheidewand
Rauchen im Nichraucherfahrzeug
Hör-Karriere im Beruf

Übersicht aller Beiträge

 

Ein Gedanke zu „Ulm 1982 – Apollinaris“

  1. Hallo Frank,
    Ulm ist wirklich eine schöne und interessante Stadt.
    Inzwischen scheinen sich meine Ohren – vielmehr das Gehirn – sich voll auf die Verstärkung der seit geraumer Zeit von mir getragenen Hörgeräte eingestellt zu haben, Heute habe ich, wie zwischen durch immer wieder üblich, die Schläuche vom Hörgerät in einer Speziallösung gereinigt. In der Zwischenzeit lebe ich dann ohne Verstärkung. Es fällt mir ganz stark auf, dass ich in dieser Zeit sehr unbeholfen und etwas behindert bin. Bei allen Gesprächen muss ich nachfragen und inzwischen bekannte Geräusche höre ich nicht mehr. Also höre ich viel weniger als noch vor dem Tragen der neuen Geräte.
    Ein Segen, dass ich nach der Reinigung und der Montage der Schläuche an die Hörgeräte wieder meine inzwischen gewohnte Geräuschkulisse wahrnehmen konnte.

    Jetzt bin ich auf Deine weiteren Geschichten gespannt.
    Ehrhard.

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