Nach der CI Operation

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Nach der Cochlea Implantat Operation

 Ich will mich bewegen

Seit ungefähr 14:00 Uhr bin ich wieder in meinem Zimmer. Die Infusion ist durchgelaufen und ich klingle um nicht mehr „angebunden“ zu sein. „Kann ich schon aufstehen?“ frage ich vorsichtig. „Wenn Sie wollen, probieren Sie es mal“ erhalte ich die Antwort und folge dieser Aufforderung umgehend. Prima, es geht. Noch ein ganz klein wenig wackelig, aber das schiebe ich weg. Ich will mich bewegen.

Jetzt nur noch das linke Hörgerät irgendwo am Verband links placieren und schon geht auch der Verstehen wieder besser – so wie bisher.

Gehen, gehen gehen

An diesem Nachmittag gehe ich gefühlte 126 Mal mit meiner Tasse zum Aufenthaltsraum in dem auch die Getränke bereit stehen, Kaffee und Wasser zum abpumpen, Tee in Kannen. Beim zweiten Mal gehen ist alles wieder im Normalzustand.

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 Keine Schmerzen

Die Wunde oder ist es der neue Fremdkörper im Kopf spüre ich ganz leicht. Wenn ich den Kopf in eine bestimmte Richtung drehe zieht es leicht hinterm linken Ohr. Keine Schmerzen – das gefällt mir.

 Holger kommt

Die Tür schwingt weit auf, ein Bett wird hereingeschoben, mein neuer Mitbewohner kommt zu Fuß hinterher. Ich nenne ihn Holger. Holger klagt ein wenig. Ihm wurde kurzfristig eine Gewebeprobe im Hals entnommen. Da hatte er noch gar kein Zimmer. Danach wurde er in ein anderes Zweibettzimmer dazugeschoben. Jetzt ist er hier. Die Gewebeprobe ist positiv.

Der Zweite mit Hals. Vielleicht steht deshalb bei der Bezeichnung HNO das H, also der Hals ganz vorne.

Holger ist sehr schockiert mit seiner Diagnose. Er soll noch in der Klinik bleiben um verschiedene weitere Untersuchungen machen zu lassen. Holger ist über 60 Jahre alt. Jetzt geht es darum herauszufinden, ob der Tumor im Hals in andere Körperregionen gestreut hat.

Bin ich schon wieder besser dran?

Ich erzähle nur kurz von mir, aber bekomme rasch den Eindruck, dass ihn das im Moment nicht interessiert. Das kann ich gut verstehen. Schon wieder komme ich mir wie ein Glückspatient vor. Holger versucht immer wieder zu schlafen. Ich interpretiere „wegschlafen.“

Seine Frau kommt und bringt Leben ins Zimmer. Mir vermittelt sie den Eindruck, die Managerin von Holger zu sein. Sie erzählt seine kurze Leidensgeschichte und beklagt sich über die Unfähigkeit bisheriger Ärzte, die Holger aufgesucht hatte.

Mir fällt auf, wie sie immer wieder ihrem Mann bekräftigt, dass alles Gut werden wird. Nach meinem Gefühl sind diese Beteuerungen ein bisschen to mutch. Mein Verdacht ist, dass Holger das auch so empfindet. Irgendwann später geht sie wieder.

 Benutze ich die anderen?

Benutze ich die Situation der anderen um mich selbst gut zu fühlen? Ich fühle mich jedenfalls glücklich und habe genug Energie, andere in ihrer Situation zu unterstützen, wenn die den Wunsch dafür irgendwie signalisieren.

Als Schwerhöriger habe ich mich in den letzten Jahren darauf spezialisiert, zu interpretieren. Manchmal glaube ich, das inzwischen gut zu beherrschen. Doch ich kenne Leute, die das anders sehen – die erleben, wie oft ich daneben liege.

Der Abend kommt, wir konzentrieren uns auf unser jeweiliges Fernsehprogramm. Mir fällt auf, dass Holger mit den Kopfhörern und mit Brille immer mal wieder den Eindruck erweckt, eingeschlafen zu sein. Doch dann wälzt er sich wieder. Ich weiß nicht, was er beruflich macht – ich habe ihn auch nicht gefragt.

Ich frage mich, ob sich Holger zwischen der Beteuerung seiner Frau „Alles wird gut“ und seinen eigenen, vermutlich negativen Gedanken hin und herbewegt. Er wirkt auf mich jetzt wie im Kampf zwischen zweierlei Gefühlen.

Zu Fritz vom Vortag hatte ich einen engeren Kontakt, zu Holger verständlicherweise noch nicht. Dennoch versuche ich auch ihm den Gedanken zu vermitteln, seine Vorhaben für die Zukunft aufzuschreiben. Ich bin unsicher, ob er in der Lage ist, das anzunehmen.

 Ich schlafe schlecht

Bis Mitternacht sehe ich fern. Holger ist fest eingeschlafen. Bei mir zu Hause gelte ich als Schnarcher. Was Holger sich da abhält, höre ich ohne Hörgeräte und durch das gesamte Verbandsmaterial hindurch. Er schnarcht so laut dass ich nicht schlafen kann.

Draußen ist Vollmond, der das Zimmer erhellt.

Es ist warm ich habe noch die langen Strümpfe von der OP an – das muss wohl noch so sein – und schwitze. Gegen Morgen schlafe ich ein.

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