Mal sehen was geht

Mal sehen was geht

Facebook Grupen

Vielen Menschen mit Hörschädigungen geht es bedeutend schlechter als mir. Das ist meine Wahrnehmung aus verschiedenen Facebook Gruppen zum Thema „Schwerhörigkeit“.  Negative Botschaften werden öfter nieder geschrieben und dringen grundsätzlich eher durch als gute Nachrichten. Das ist nicht nur in sozialen Netzwerken so.

Immer öfter fallen mir Beiträge auf, die bei mir den Eindruck erwecken, „da schreiben Menschen aus einer tiefen Verzweiflung oder Resignation heraus über sich bzw. ihre Hör- oder sonstige Situation“. Wenn ich das lese, beschäftigt mich das meist eine Zeit lang. Manchmal denke ich darüber nach, ob oder wie ich, zumindest mit einer Antwort auf diese „Facebook Posts“ reagieren kann. Doch während ich darüber nachdenke, treffen auf Facebook reihenweise gute Ratschläge von anderen Leuten ein – von solchen, die schneller denken und schreiben als ich.

Sabine Niese

 

Sabine Niese
Sabine Niese

In dieser Woche konnte ich zum wiederholten Mal bei Stern TV die einundvierzig jährige Sabine Niese als Gast erleben. Obwohl sie seit über sieben Jahren an der unheilbaren Krankheit ALS leidet und seit geraumer Zeit nur noch im Rollstuhl lebt, versprüht Sabine Niese eine Lebensfreude wie kaum ein gesunder Mensch. Wer sich dafür interessiert, kann sich  über diesen Link selbst ein Bild verschaffen.

Allein die von ihr aufgestellte „Löffelliste“ eine Liste all der Dinge, die sie noch erleben möchte, bevor sie „den Löffel abgibt“, finde ich bewundernswert.

Auffallend ist an Sabine Niese, wie sie vor allem positiv nach vorne schaut. „Was geht noch“ scheint ihr wichtiger zu sein, als „Was kann ich alles nicht mehr“.

Mehr als ein halb volles oder halb leeres Glas

Dahinter steckt mehr als die oft zitierte Banalität vom halb vollen oder halb leeren Glas.

Es ist auch mehr als von Optimisten und Pessimisten zu sprechen.  Es geht um eine grundsätzliche Lebenseinstellung.

Wir Menschen machen uns Vorstellungen, zu uns selbst, zu Situationen und Ereignissen.

Sich ein Bild machen

Das geschieht blitzschnell in Bildern und Emotionen. Bevor wir mit unserem Verstand einen Eindruck prüfen können, haben wir bereits passende Bilder zum Vergleich abgerufen und reagieren emotional. „Sich ein Bild machen“ ist eine dazu passende Redewendung.

Bilder erzeugen Vorstellungen im Kopf und umgekehrt.

Welche Bilder und Vorstellungen wir entwickeln, hängt vermutlich von unserer Lebenserfahrung und unseren Prägungen ab.

Es gibt eine grundsätzliche Erkenntnis: „Vorstellungen sind stärker als der Wille“.

Das bedeutet: Wir folgen in unserem Handeln unseren Bildern (und Emotionen) und nicht unserem Willen.

Hast Du schon mal einen Parkplatz gesucht?

Welches Bild entsteht jetzt bei Dir?

Stelle Dir Deine Stadt, Dein Parkhaus oder Deine konkrete Situation vor.

Frankfurt am Main
Frankfurt am Main

Da gibt es einen, wir nennen ihn Horst: „Oh,“ denkt Horst, „ in Horst-Stadt finde ich nie einen Parkplatz, ich suche lieber gleich außerhalb der Innenstadt.“ Da kurvt Horst dann so lange herum, bis er irgendwo in einer weit entfernten Nebenstraße einen Platz findet. Horst fühlt sich in seinem Handeln bestätigt – erst recht dann, wenn er zu Fuß endlich im Zentrum ankommt und die Verkehrssituation sieht. „Ist doch gut, außerhalb geparkt zu haben,“ denkt er zufrieden.

Heidi behauptet dagegen: „ich fahre immer bis zu genau der Stelle, an die ich will, direkt in die Innenstadt von HeidiCity. Immer wenn ich komme, fährt gerade dort jemand weg.“  Zu einem gewissen Prozentsatz all Ihrer Fahrten bewahrheitet sich diese Denkweise auch. Somit wird Heidi in ihrer Vorgehensweise auch bestätigt. Die „paar mal“ in denen das nicht klappt, kann Heidi locker verdrängen.

Horst versucht es erst gar nicht in die Innenstadt zu fahren. Er wird auch niemals einen Parkplatz in der Innenstadt finden – solange er es nicht versucht. Und – sollte er es jemals doch versuchen, wird er keinen Parkplatz finden. Seine Überzeugung ist, keinen Platz zu finden, also wird er sich unbewusst bei der Suche genau so verhalten, dass er in seiner Überzeugung bestätigt bleibt. „Siehst du, ich habe es doch gewusst.“

Heidi bleibt in ihrer Handlungsweise immer für die Situation offen. „Mal sehen, was geht.“ Sie wird Überraschungen erleben, aber eben auch viele positive Überraschungen.

Der Parkplatz steht hier logischerweise nur als Sinnbild für alle möglichen Handlungsweisen.

 Euch allen wünsche ich ein gute Zeit und immer einen Parkplatz!

 

Links zu Sabine Niese

http://www.stern.de/tv/nervenkrankheit-amyotrophe-lateralsklerose–als—wie-geht-es-sabine-niese–6593332.html

http://www.chancezumleben-als.de

Ein Gedanke zu „Mal sehen was geht“

  1. Ja toll, hierzu fällt mir nur eine uralte Weisheit ein:

    Dazu gehört ein fester Wille und der feste Glaube an das sich im Geiste bereits vorgestellte positive Resultat. Je fester“Heidi“ von ihrer Vorstellung überzeugt ist, so sicherer wird sie auch „ihren“ Parkplatz finden. Die Gedanken sind die stärkste Energie.
    Ehrhard

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