Alle Beiträge von Frank

Hörgeschädigte, bitte mitwirken!

Neues Modell CI Naida Q90

Neues Modell

Technische Entwicklung

In allen Bereichen schreitet die Technik weiter voran. Das ist meist auch gut so. Ob Auto, Waschmaschinen, Kühlschränke oder Smartphone – immer wieder überraschen uns die Hersteller mit neuen Modellen und neuen Features. In der Regel handelt es sich um Weiterentwicklungen.

CI Herstellerkontakt

So erfuhr ich jetzt auch bei einem Treffen der mit AB CI implantierten Menschen, in der Uniklinik Homburg, von den Neuerungen bei AB (Advanced Bionics).

AB Naida CI Q 90
AB Naida CI Q 90

Es ist fast so wie beim Smartphone, kaum installiert, schon wieder veraltet? Doch bei näherem Hinhören und Hinsehen stellt sich schnell raus, dass doch sehr behutsam mit der Weiterentwicklung vorgegangen wird. Das neue Naida Q 90 ist eine Weiterentwicklung vom Q 70, das ich vor einem halben Jahr erhalten habe.

Wesentliche Entwicklungen betreffen die Software – und das ist die gute Nachricht – diese Software kann auch auf meinen Sound Prozessor (Q 70) aufgespielt werden.

So erhielt ich doch ein paar für mich wichtige Informationen.

ComPilot

Meinen ComPilot kann ich vielseitiger verwenden, als ich es bisher getan habe. Bisher benutzte ich dieses Hilfsmittel lediglich feim Fernsehen. Es überträgt mit der Schleife um den Hals den Ton sowohl auf mein Phonak Hörgerät als auch auf mein Cochlea Implantat bzw. den Prozessor. Diesen ComPilot benutze ich seit einigen Jahren – habe ihn ursprünglich für meine (damals) beiden Hörgeräte verwendet.

Soforthilfe

Vor Ort hat mir Herr Kirsch von AB doch gleich mal die Bluetooth Verbindung mit meinem Smartpone hergestellt. Das fand ich ganz prima.

Abends beim Fernsehen hat dann allerdings mein Handy immer mal wieder dazwischengefunkt, ich hatte es wohl zu dicht in meiner Nähe liegen.

Ganz verwirrt war ich dann, als mich tatsächlich jemand auf meinem Mobiltelefon anrief, ich aber nicht daran dachte, dass ich den ComPilot um den Hals habe und das Gespräch normal annahm. Sehr gewundert habe ich mich, den Gesprächspartner auch über mein CI zu hören. Da ich aber wie gewohnt das Handy ans Hörgeräte-Ohr gehalten hatte, hörte ich zusätzlich einen Hall.

Das hat mich dann so verwirrt, dass ich mich von dem Anrufer doch sehr schnell wieder verabschiedet habe. Sorry – alter Mann und Technik.

Ultrozoom

Mit der neuen Software besteht auch die Möglichkeit, den Ultrazoom so einzustellen, dass er sich je nach Hörsituation automatisch zu- und abschaltet. Das lass ich mir möglichst schnell auf meinen Sound Prozessor aufspielen. (Leider doch noch nicht für Q 70)

MRT möglich (?)

Auch neu für mich war die Information, dass es mit meinem Implantat doch möglich sein soll, unbeschadet ein MRT zu überstehen. Dazu muss allerdings eine spezielle Abdeckung angebracht werden. Ich hoffe, dass es keinen Anlass gibt, das zu benötigen.

Akkus

Neue Akkus wurden auch entwickelt. Diese sind etwas kleiner als die bisherigen – wichtig für mich, sie passen auch auf mein Q 70. Doch zunächst benötige ich noch keine neuen Akkus.

Es gab noch mehr Informationen und eine Vorstellung des neuen Q 90.

Zwei Teile

Träger von Cochlea Implantaten wissen das. Es gibt immer zwei Teile, die ein Ganzes ausmachen – das Implantat selbst und den Soundprozessor mit der Energieversorgung. Nur mit beiden Hilfsmitteln gelingt hören.

Da kommt dann die Frage auf, wie ist das mit der technischen Weiterentwicklung?
Muss ich jedes Mal eine weitere OP über mich ergehen lassen, wenn sich die Technik weiterentwickelt?  So ist es zum Glück nicht.
Die Hersteller haben die Implantate bereits so entwickelt, dass auch nachfolgende Prozessor Generationen, die ja außen sitzen, mit dem bereits operierten Implantat verwendet werden können.
Ausschließen kann heute sicher niemand, dass es irgendwann technische Entwicklungen geben wird, die auch ein neues Implantat erfordern, aber das dauert wohl noch eine Weile.

Menschliche Entwicklung

Wenn ich heute so in die Welt hinein höre, wünsche ich mir eine entsprechende Entwicklung von uns Menschen. Doch das erscheint mir sehr viel schwieriger zu sein.

Ich habe einen weiteren Blog veröffentlicht, der sich damit befasst. Villamondial – Die Welt unter einem Dach.
Villamondial Die Welt unter einem Dach

Villamondial
Die Welt unter einem Dach

 

 

 

 

Tatort Totenstille

 

Tatort Totenstille

Tatort Totenstille Quelle ARD
Tatort Totenstille
Quelle ARD

Tatort aus Saarbrücken

Am 24. Januar 2016 sendete die ARD den Tatort aus Saarbrücken. „Totenstille“ Hierbei spielte Gehörlosigkeit eine so wichtige Rolle, dass sich der Kommissar selbst mit der Gehörlosen Sprache beschäftigt hat.

 

Ich bin sonst kein Krimi Zuschauer. Aber in diesem Fall habe ich mir diesen Tatort doch angesehen. Wie wird im Film Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit dargestellt? Das wollte ich mir ansehen.

Beurteilungen des Krimis selbst will ich hier nicht abgeben. Davon verstehe ich viel zu wenig und habe kaum Vergleiche. Am Folgetag konnte ich allerdings lesen, dass die Einschaltquote recht hoch war.

Fachleute gehen davon aus, dass ca. 20 % der Bevölkerung Hörprobleme hat. Das spricht für eine gute Einschaltquote.

Während des Films und danach haben mich dann doch Fragen beschäftigt.

  • Gibt es wirklich eine Gehörlosen Szene in Saarbrücken?
  • Gibt es da wirklich Betroffene, die zwar implantiert sind und ein CI besitzen, es aber nicht tragen wollen – aus Gründen einer Überzeugung, sowieso nicht zu den Hörenden zu gehören?
  • Ist das bereits eine Ideologie?

Darüber mag ich nicht urteilen. Zu wenig weiß ich davon. Aber vielleicht kann mir einer von euch Lesern mehr dazu sagen oder schreiben.

Außerdem fiel mir auf, wie unvorteilhaft das Cochlea Implantat im Film beschrieben wurde. „Man hört zwar Geräusche aber versteht kaum Sprache“.

Da habe ich dann doch mit meinem CI „aufgehorcht“.

Mehr über diesen Tatort: hier

 

Nachtrag vom 29.01.2016

Über diesen Link könnt Ihr den Kommentar des Gehörlosen Bunds zum Kirmi nachlesen. (Danke dafür an Daniel Büter – @danielbueter)

http://www.gehoerlosen-bund.de/images/stories/pdfs_2016/tatort_totenstille.pdf 

 

Hören in Cartagena de Indias 2004

Hören in Cartagena de Indias 2004

Hören in Cartagena Blick auf die Stadt
Hören in Cartagena
Blick auf die Stadt

Einladung nach Cartagena

Im Frühling des Jahres 2004 fliegen wir, meine Frau und ich, erneut nach Kolumbien. Wir wurden vom kolumbianischen Außenhandels Ministerium zu einer mehrtägigen Veranstaltung eingeladen.  Ziel dieser Veranstaltung ist es, deutsche Import- Exportfirmen mit kolumbianischen Exporteuren an einen Tisch zu bringen. Hier können sich kolumbianische Firmen präsentieren, die Importpartner in Deutschland suchen.

Wir fliegen von Paris aus nach Bogota, treffen uns dort mit meinem Geschäftspartner und fliegen dann weiter nach Cartagena de Indias – einer von den Spaniern angelegten Festung in der Karibik. Heute ist Cartagena eine Millionenstadt in Kolumbien mit einer historischen Altstadt.

Das Hotel in dem wir übernachten liegt auf einer Landzunge direkt am Meer. Das Klima ist im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend. Sehr hohe Luftfeuchtigkeit und große Hitze – Waschküche.

Seit 18 Monaten beidseitig Hörgeräte

Seit ca. 18 Monaten trage ich zwei Hörgeräte – das am linken Ohr mit besonderer Stärke. Ich bilde mir ein, den Herausforderungen der Tagung, mit vielen Gesprächen, gewachsen zu sein.

Herausforderung für mein Hören

Hören in Cartagena Blick auf die Festung
Hören in Cartagena
Blick auf die Festung

Der Ablauf ist von den Veranstaltern so geregelt, dass jeder deutschen Firma für die drei Tage der Tagung, bestimmte kolumbianische Firmen zugeordnet werden, die genau nach Plan an unseren Tisch kommen, um ihre Produkte vorzustellen.

Die von meinem Geschäftspartner zugesicherte Dolmetscherin für Spanisch ist bis jetzt nicht erschienen.

Das sind die Situationen, die ich liebe. „Nun musst du selbst da durch“ kann dann nur noch die Devise lauten. Zum Glück ist meine Frau dabei, sie hört besser und kann auch besser englisch. Wir beschließen in Englisch zu verhandeln. Die Kolumbianer gehen sowieso davon aus englisch zu reden – sie sprechen allerdings sehr viel besser englisch als ich. Na prima.

Deutsche Pünktlichkeit 

Unsere ersten Gäste stehen schon an unserm Tisch, als wir dort ankommen. Man hatte ihnen eingeschärft, „die Deutschen sind immer pünktlich und legen Wert auf Pünktlichkeit.“

Wir kommen irgendwie zurecht. Ich stelle fest, dass es für mich noch schwerer ist, eine andere Sprache zu verstehen, als die Muttersprache. Außerdem merke ich, dass mir das Hörgerät auf der linken Seite fast nichts bringt. Mein Gehör dort ist einfach zu schlecht. Dank meiner Frau begreife ich, was die freundlichen Menschen anbieten und besprechen wollen.

Hören in Cartagena 

Meine Hörtechnik versagt in dieser Situation – nicht technisch, sondern in meiner Wahrnehmung.

Antworten versuche ich den Geschäftsleuten selbst zu geben. Wir hangeln uns durch und sind am Spätnachmittag völlig fertig, fühlen uns aber, wie nach einer geschlagenen Schlacht – nicht als Sieger aber auch nicht als Verlierer.

Am nächsten Tag ist die Dolmetscherin da – eine deutsche Spanisch-Studentin, die in unserer Niederlassung in Bogota ein Praktikum absolviert hat. Jetzt geht es lockerer. Ich kann deutsch sprechen und sie übersetzt ins Spanische.

Schöne Altstadt

Hören in Cartagena Befestigungsanlagen
Hören in Cartagena
Befestigungsanlagen

Na ja, wir bringen die Tagung hinter uns, lauschen den Schlussworten des kolumbianischen Präsidenten, Álvaro Uribe Vélez, und besichtigen die Sehenswürdigkeiten der alten Stadt Cartagena. Ich sehe zum ersten Mal Kolibris in freier Natur, direkt vor dem Hotel an blühenden Sträuchern. Als Höhepunkt bietet uns das Außenhandelsministerium noch ein rauschendes Fest in historischer Kulisse – mitten in der Altstadt.

Hören in Cartagena Altstadt
Hören in Cartagena
Altstadt

Endlich kommt es nicht mehr wirklich darauf an, was ich höre und verstehe. Da kann ich entspannen. Abschließend stelle ich fest, mit meinen Hörgeräten komme ich nicht zurecht, wenn es darauf ankommt. Sie sind aber noch jung – so schnell gibt es keine anderen.

Cartagena als Stadt erhalte ich in guter Erinnerung – die Stadt ist sehenswert.

Siehe auch:
Bogota Dezember 2001

 

Gothic Sound

Gothic Sound

Gotische Bauwerke

Wer schon einmal eine gotische Kathedrale besucht hat wird sofort verstehen, was ich meine. Und wer schon einmal in einem solchen Dom einen Reiseführer oder einen Priester sprechen hörte, versteht erst recht, worauf ich hinaus will. Es hallt ungemein und Sprache ist sehr schlecht zu verstehen.

Es gab mal eine Zeit, in der ich mich mit gotischen Bauten – meist Sakralbauten – beschäftigt hatte. Durch die enorme Höhe der gotischen Kirchen und die relativ großen Fensterflächen, sind in diesen Gebäuden Hall und Echo stärker als in Kirchenbauten anderer Epochen. Das war zu dieser Zeit durchaus ein gewollter Effekt.

CI Anpassung und Hektik

Mitte Dezember 2015, heute erhalte ich für mein Naida CI eine neue Anpassung. Jetzt, heute will ich einen besonders großen Schritt (Fortschritt) tun, um meine Hör- und Verstehfähigkeit weiter zu entwickeln. „Übermut tut selten gut“ lautet ein deutsches Sprichwort.

Ein Tag der mit Hektik beginnt, lässt sich nicht plötzlich zur Anpassungs Situation umschalten. Eine Situation, die ein gewisses Maß an Entspannung und Gelassenheit erfordert. Zu Hause fahre ich schon zu spät los und unterwegs gibt es dann alle Hindernisse, die ich sonst gelassen hinnehme. Gerade noch rechtzeitig komme ich zum vorgeschalteten Hörtest in der HNO Klinik. Dieser Hörtest fällt nach meinem persönlichen Urteil schlecht aus. Frequenzbereiche, in denen ich mit meiner CI Seite in der Vergangenheit gute Werte erzielt hatte, sind heute plötzlich schlechter. Während des Hörtests heute protestiert auch mein Tinnitus besonders heftig. „Hab ich jetzt auch schon links, auf meiner Cochlea Implantat Seite einen Tinnitus?“

Etwas frustriert eile ich ins andere Gebäude zur Anpassung. Dort lasse ich „dir Schleusen weiter öffnen“ – also lauter stellen. Die tiefen Frequenzen nachstellen. Ermahnungen lasse ich nicht gelten.

Ich schätze die große Erfahrung und Qualifikation der Personen sehr, die die Anpassungen bisher vorgenommen haben sehr. (siehe dazu http://horch.nuesken.us/anpassung )

Mehrfach antworte ich auf die Frage, „ist das wirklich gut so“ mit „ja“ oder „ist diese Einstellung besser“ mit „Hm?“ Letztlich wird nach meinem momentanen Empfinden eingestellt – wonach auch sonst, könnte jemand fragen. Leider ist aber meine momentane Situation mit den Spätfolgen der Hektik beschäftigt. „Ich mache alles, wie Sie es wünschen“ höre ich noch. „Ja, ja, ok“ ist meine Antwort dazu.

Weihnachts-Wander-Wochenende 

Weihnachts Wandern
Weihnachts Wandern

Drei Tage später – mit unserem Freundeskreis planen wir jährlich ein Wanderwochenende kurz vor Weihnachten. In diesem Jahr waren wir mit der Planung an der Reihe. (lies auch dazu: http://horch.nuesken.us/einsam-unter-freunden ) Mir war es wichtig, vor diesem Wochenende noch die Anpassung meines CI erhalten zu haben.

Doch genau in diesen Tagen stelle ich fest, „ich höre viel und verstehe wenig“. Ganz besonders in der Restaurant Situation, dann wenn viele Menschen sprechen. Da hilft auch der von mir bisher hoch gelobte Ultra Zoom nichts mehr – im Gegenteil er verschlechtert noch das Verstehen.

Es ist der Hall, der alles überlagert und ein Verstehen gewaltig verschlechtert.

Ulmer Münster

Ulmer Münster Bild: magellannet
Ulmer Münster
Bild: magellannet

Wenn ich nichts mehr verstehe, habe ich Zeit für anderes – so fällt mir spontan das Ulmer Münster ein, ein großartiger Gotik Bau, den ich während meiner Ulmer Zeit öfter von innen erlebt hatte. Das Ulmer Münster hat übrigens mit 161 Metern den höchsten Kirchturm der Welt. Jeden, der mich in Ulm besucht hatte, habe ich in diesen Dom geführt. Ich weiß also wie eine Stimme in diesem Gebäude klingt. Da entsteht in meinem Kopf der Begriff „Gothic Sound“. So klingen für mich jetzt plötzlich alle, die ich sprechen höre – im Restaurant und etwas abgeschwächt auch während unserer Wanderungen.

Kommentare

„Du hörst ja jetzt noch schlechter, als früher“ so oder so ähnlich lauten dann auch die freundlichen Kommentare meiner Freunde. Obwohl mir inzwischen die Ursache klar ist, ärgere ich mich über diese Kommentare. Denn nur ich weiß, dass ich mit dem linken Ohr früher gar nichts gehört habe und dass ich heute sehr viel höre und schon relativ viel an Sprache verstehe – nur eben jetzt gerade nicht.

Zum Glück ist eine Korrektur leicht möglich, jedoch erst nach Weihnachten.
Ein klein wenig haftet den romantischen Vorstellungen von Weihnachten ja auch ein Hauch von Gotik an.

Lest dazu passend auch:

Anpassung
Ultra Zoom (der Letzte Whisky)
Einsam unter Freunden

 

 

 

 

 

 

Mal sehen was geht

Mal sehen was geht

Facebook Grupen

Vielen Menschen mit Hörschädigungen geht es bedeutend schlechter als mir. Das ist meine Wahrnehmung aus verschiedenen Facebook Gruppen zum Thema „Schwerhörigkeit“.  Negative Botschaften werden öfter nieder geschrieben und dringen grundsätzlich eher durch als gute Nachrichten. Das ist nicht nur in sozialen Netzwerken so.

Immer öfter fallen mir Beiträge auf, die bei mir den Eindruck erwecken, „da schreiben Menschen aus einer tiefen Verzweiflung oder Resignation heraus über sich bzw. ihre Hör- oder sonstige Situation“. Wenn ich das lese, beschäftigt mich das meist eine Zeit lang. Manchmal denke ich darüber nach, ob oder wie ich, zumindest mit einer Antwort auf diese „Facebook Posts“ reagieren kann. Doch während ich darüber nachdenke, treffen auf Facebook reihenweise gute Ratschläge von anderen Leuten ein – von solchen, die schneller denken und schreiben als ich.

Sabine Niese

 

Sabine Niese
Sabine Niese

In dieser Woche konnte ich zum wiederholten Mal bei Stern TV die einundvierzig jährige Sabine Niese als Gast erleben. Obwohl sie seit über sieben Jahren an der unheilbaren Krankheit ALS leidet und seit geraumer Zeit nur noch im Rollstuhl lebt, versprüht Sabine Niese eine Lebensfreude wie kaum ein gesunder Mensch. Wer sich dafür interessiert, kann sich  über diesen Link selbst ein Bild verschaffen.

Allein die von ihr aufgestellte „Löffelliste“ eine Liste all der Dinge, die sie noch erleben möchte, bevor sie „den Löffel abgibt“, finde ich bewundernswert.

Auffallend ist an Sabine Niese, wie sie vor allem positiv nach vorne schaut. „Was geht noch“ scheint ihr wichtiger zu sein, als „Was kann ich alles nicht mehr“.

Mehr als ein halb volles oder halb leeres Glas

Dahinter steckt mehr als die oft zitierte Banalität vom halb vollen oder halb leeren Glas.

Es ist auch mehr als von Optimisten und Pessimisten zu sprechen.  Es geht um eine grundsätzliche Lebenseinstellung.

Wir Menschen machen uns Vorstellungen, zu uns selbst, zu Situationen und Ereignissen.

Sich ein Bild machen

Das geschieht blitzschnell in Bildern und Emotionen. Bevor wir mit unserem Verstand einen Eindruck prüfen können, haben wir bereits passende Bilder zum Vergleich abgerufen und reagieren emotional. „Sich ein Bild machen“ ist eine dazu passende Redewendung.

Bilder erzeugen Vorstellungen im Kopf und umgekehrt.

Welche Bilder und Vorstellungen wir entwickeln, hängt vermutlich von unserer Lebenserfahrung und unseren Prägungen ab.

Es gibt eine grundsätzliche Erkenntnis: „Vorstellungen sind stärker als der Wille“.

Das bedeutet: Wir folgen in unserem Handeln unseren Bildern (und Emotionen) und nicht unserem Willen.

Hast Du schon mal einen Parkplatz gesucht?

Welches Bild entsteht jetzt bei Dir?

Stelle Dir Deine Stadt, Dein Parkhaus oder Deine konkrete Situation vor.

Frankfurt am Main
Frankfurt am Main

Da gibt es einen, wir nennen ihn Horst: „Oh,“ denkt Horst, „ in Horst-Stadt finde ich nie einen Parkplatz, ich suche lieber gleich außerhalb der Innenstadt.“ Da kurvt Horst dann so lange herum, bis er irgendwo in einer weit entfernten Nebenstraße einen Platz findet. Horst fühlt sich in seinem Handeln bestätigt – erst recht dann, wenn er zu Fuß endlich im Zentrum ankommt und die Verkehrssituation sieht. „Ist doch gut, außerhalb geparkt zu haben,“ denkt er zufrieden.

Heidi behauptet dagegen: „ich fahre immer bis zu genau der Stelle, an die ich will, direkt in die Innenstadt von HeidiCity. Immer wenn ich komme, fährt gerade dort jemand weg.“  Zu einem gewissen Prozentsatz all Ihrer Fahrten bewahrheitet sich diese Denkweise auch. Somit wird Heidi in ihrer Vorgehensweise auch bestätigt. Die „paar mal“ in denen das nicht klappt, kann Heidi locker verdrängen.

Horst versucht es erst gar nicht in die Innenstadt zu fahren. Er wird auch niemals einen Parkplatz in der Innenstadt finden – solange er es nicht versucht. Und – sollte er es jemals doch versuchen, wird er keinen Parkplatz finden. Seine Überzeugung ist, keinen Platz zu finden, also wird er sich unbewusst bei der Suche genau so verhalten, dass er in seiner Überzeugung bestätigt bleibt. „Siehst du, ich habe es doch gewusst.“

Heidi bleibt in ihrer Handlungsweise immer für die Situation offen. „Mal sehen, was geht.“ Sie wird Überraschungen erleben, aber eben auch viele positive Überraschungen.

Der Parkplatz steht hier logischerweise nur als Sinnbild für alle möglichen Handlungsweisen.

 Euch allen wünsche ich ein gute Zeit und immer einen Parkplatz!

 

Links zu Sabine Niese

http://www.stern.de/tv/nervenkrankheit-amyotrophe-lateralsklerose–als—wie-geht-es-sabine-niese–6593332.html

http://www.chancezumleben-als.de

Bogotá, Dezember 2001

Bogotá, Dezember 2001

historischer Platz in Bogotá
historischer Platz in Bogotá

Schwerhörigkeit beeinträchtigt Arbeitsqualität

In dem Bewusstsein, zunehmend schwerhöriger zu werden, ist mir klar, auch mit einer Beeinträchtigung meiner Arbeitsqualität rechnen zu müssen. Gerade meine Tätigkeit als frei beruflicher Trainer und Seminarleiter erfordert nicht nur gut vorbereitet zu sprechen, sondern auch sehr gut zu hören, zu verstehen, was meine Teilnehmer sagen.

Diese Situation veranlasst mich, mich mehr und mehr nach Alternativen umzusehen.

Rinderwahn – Alternative

So bin ich schnell überzeugt, als ein Kollege, mit dem ich schon einige Jahre im Seminargeschäft zusammenarbeite, mir über seine Pläne und bereits begonnenen Vorbereitungen für ein Export- und Importunternehmen erzählt.

Deutschland beschäftigt sich gerade mit dem Rinderwahn, wir befinden uns in der BSE Krise. Der Verkauf von Rindfleisch geht stark zurück. Am Fleischmarkt in Deutschland besteht der Bedarf nach gutem unverfälschtem Rindfleisch. Kolumbien bietet hierfür viele Voraussetzungen. Und so hat der Kollege bereits auch in Bogotha, Kolumbien eine Gesellschaft gegründet.

Für mich bieten sich verschiedene Möglichkeiten, meine Fähigkeiten und Kenntnisse einzubringen.

Vorweihnachten in Bogotá
Vorweihnachten in Bogotá

Bogotá

So kommt es dazu, im Dezember 2001 mit ihm und zwei weitern Herren, einem Herrn aus Panama, der als Übersetzer dient und einem Herrn aus der Fleischbranche,  nach Bogotá zu fliegen. Bogotá liegt auf etwa 2500 m Höhe in den Anden.

Blick auf Bogotá
Blick auf Bogotá

Rinder in Kolumbien

Ich schreibe hier ja keinen Reise- und Erlebnisbereicht sondern zur Entwicklung meiner Schwerhörigkeit. Aber soviel doch hier zu den Rindern in Kolumbien: Pro Rind stehen im Schnitt ca. 1,7 Hektar Weidefläche zur Verfügung. Die Rinder leben das ganze Jahr über im Freien und kennen keinen Stall. Sie fressen ausschließlich das Gras der Weiden in den Tiefebenen am Magdalena Strom. Fleischkenner schmecken das sofort.

Schwindel und mehr

Im Rahmen dieses Aufenthaltes in Bogotha stand auch ein Besuch bei einem Fleisch Zerlegebetrieb auf dem Programm. Meine Aufgabe war es, die einzelnen Zerlege Schritte eines Rindes zu fotografieren.

Mein Drehschwindel (siehe dazu meinen Beitrag Morbus Meniere ) aus dem Jahr 2000 war längst vergessen. Aber während dieses Vorgangs merkte ich einen Anflug von Schwindel und Übelkeit.

Die ungewohnte Höhe und das Klima, vielleicht aber auch das viele Fleisch können der Auslöser sein – ich weiß es nicht. Schnell lege ich die Kamera weg und gehe ins Freie.

"Fleisch Mafia"
„Fleisch Mafia“

 

Draußen erlebe ich dreierlei Wahrnehmungen, erstens, mein Schwindelanflug verschwindet langsam, zweitens, ich verspüre Knackgeräusche im Ohr – in welchem ist unklar und drittens kann von frischer Luft keine Rede sein. Bogotá liegt zwar hoch in den Anden, ist aber eine Stadt mit mehreren Millionen Einwohnern und einer ebenso gefühlten hohen Zahl von Autos. Die Atemluft erinnert an Deutschland vor der Einführung des Katalysators – nur um ein Vielfaches verstärkt. Katalysatoren scheinen hier unbekannt.

Dennoch geht es mir schlagartig wieder gut. Irgendetwas ist in den Ohren geschehen. Schnell eile ich zurück zu meinem Foto Job, den ich dann auch zu Ende bringe.

Besser hören in Bogotá

Die anschließenden Gespräche in den Büroräumen verstehe ich besser. Ich scheine besser zu hören. Spielt da die Höhe in den Anden eine Rolle?  Auch einige Tage später hält diese Situation weiter an. Während eines Gesprächs beim Rinderzüchter Verband des Landes verstehe ich nicht nur die Übersetzung von unserem Mitreisenden Luis recht gut, selbst das Spanisch des Verbandsvorsitzenden glaube ich dem Sinn nach zu begreifen. Schnell wird klar, dass er viel spricht aber nichts sagen will.

Mit meinem Gehör bin ich plötzlich zufrieden.

Leider wieder vorbei

Leider geht diese Reise sehr schnell wieder zu Ende. Schon im Flugzeug merke ich die erneute Veränderung in den Ohren. Wieder in Deutschland angekommen, ist alles wieder wie zuvor. Ich höre schlecht und verstehe noch schlechter.

Eine Auswanderung nach Kolumbien steht dennoch nicht zur Diskussion.

Siehe auch:
Cartagena de Indias 2004

Aquabox Trockenübung

Aquabox Trockenübung

Weihnachtswandern

Wie bereits in meinem Beitrag „Einsam unter Freunden“ beschrieben, wandern wir gerne, mit unserem Freundeskreis – und das bei fast jedem Wetter. So treffen wir uns z.B. jedes Jahr, kurz vor Weihnachten zu einem Wanderwochenende irgendwo im Umkreis von ca. hundert km Entfernung zu unserem Wohnort. Natürlich wandern wir nicht nur, wir übernachten in einem Hotel mit Wellness Möglichkeiten, gehen dort nach etwa zwanzig gewanderten Kilometern in die Sauna und lassen es uns danach bei einem ausgiebigen Menü  und angemessen Getränken gut gehen. Schließlich brauchen wir Stärkung für die Wanderung am folgenden Tag.

Mitschwätze – ich rede wieder mit

Mein Cochlea Implantat hat sich inzwischen schon mehrfach bewährt – auch bei einer gemeinsamen Wanderung vor einigen Wochen. Ich kann inzwischen vielen Gesprächen folgen und somit auch meinen Senf dazu beitragen.

Nun gilt es jedoch, mich für das Weihnachtswanderwochenende zu rüsten. Rechnen muss ich mit Schnee, Schneeregen oder einfach nur Regen – auf meinem Kopf wird schließlich alles zu Wasser.

Seit einigen Wochen besitze ich eine Aquabox mit gesonderter Magnetspule und längerem Verbindungskabel von AB, passend zu meinem Soundprozessor. Der Soundprozessor wird in die wasserdichte Aquabox gepackt. Diese kann ich irgendwo, wo es gerade passt, hinklemmen.

Aquabox

Aquabox an der Jacke
Aquabox an der Jacke

Heute habe ich mich entschlossen, bei einer kleinen Wanderung diese Aquabox einmal auszuprobieren. Das Wetter ist kalt und trocken, also nicht wirklich ein Grund für diese wasserdichte Methode. Aber ich will doch einmal vor dem Ernstfall die Tragemöglichkeit und die Handhabung ausprobieren. Außerdem interessiert es mich, wie gut ich mit dieser Variante meines CI hören kann.

Lästig ist das Verkabeln – wie verlege ich das Kabel so, dass ich meinen Kopf in alle Richtungen bewegen kann, ohne dass mir bei jeder Bewegung die Magnetspule vom Kopf rutsch aber auch so, dass mir nicht dauernd ein Kabel am Kopf rumbaumelt. Ohne Hilfe schaffe ich das heute nicht. Das allein rechtfertigt bereits diesen Probelauf heute.

Ist das Kabel erst mal gut verlegt, klappt der Rest einfach. Heute zeigt das Thermometer  annähernd null Grad Außentemperatur an, deshalb benutzte ich ein Stirnband – für warme Ohren und zum Halt des Kabels.

Schnellgeher mit „Fahrtwind“

Und wie ist das Hören? Jeder kennt das Geräusch von Fahrtwind.

Übertragungskabel verlegt
Übertragungskabel verlegt

Im Zusammenhang mit der Aquabox ist mein Soundprozessor ja in der Box und hört nicht mit. Zuvor muss ich hier das entsprechende Programm wählen. Somit „hört“ nur noch das Mikrophon an der Spule am Kopf – wasserdicht, versteht sich.

Ich habe nicht damit gerechnet, welche Windgeschwindigkeit beim Gehen an meinem Kopf entsteht. Jedenfalls höre ich den „Fahrtwind“. In einem windgeschützten Waldbereich verschwindet dieses Geräusch dann plötzlich, obwohl ich weitergehe. Sofort teste ich, ob das Mikrophon noch überträgt –es funktioniert. So schnell gehe ich demnach doch nicht, dass ich Windgeräusche verursache.

So ist das mit der Selbstüberschätzung – das Geräusch kommt vom normalen Wind, der heute ganz herbstlich bläst.

Mit dieser Wasser Variante kann ich Gespräche führen bzw. verfolgen. Es funktioniert ganz gut. Jetzt fehlt nur noch der Einsatz im Regen und sonstigen Wasser Bedingungen. Da bin ich zuversichtlich.